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Full text of "Beiträge zur Geschichte der Familie Farenheid"

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Beiträge 



zur 



Geschichte der Familie Farenheid. 



Von 



Georg Krueger, 

Oberlehrer am Kneiphöfischen Stadtgymnasium. 



Beilage zum Programm des Kneiphöfisehon Stadtgymnasiums zu Königsberg i,Pr. 

Ostern 1900. 



Königsberg i. Pr. 

Hartungsche Buchdruckerei. 



1900. Progr. Nr. 9. 






Vorwort. 



Di 



r ie Hauptquelle für die vorliegende Abhandlung, 
welche mit dem Tode des Kriegsrats von Farenheid abschliesst, 
sind die Angerapper Gutsakten; leider erschwert der augen- 
blickliche Zustand derselben eine sachgeraässe Ausbeute. 
In einzelnen Fällen konnte ich das Material der dort ab- 
handen gekommenen Aktenstücke durch die Urkunden des 
hiesigen Königlichen Staatsarchivs ergänzen; doch war 
auch dieses ebenso häufig ausgeschlossen. Für die ältere 
Zeit kamen in Betracht einige Stammbücher, die auf der 
hiesigen Stadtbibliothek aufbewahrt werden, die genea- 
logische Tabelle Gallandis in der A. M. Sehr. XIX, S. 181, 
deren Angaben durch die Kirchenbücher der hiesigen 
.Domkirche teilweise erweitert und berichtigt werden 
konnten, und einige Urkunden aus dem Archiv der Königs- 
berger Kaufmannschaft. Für die rein biographischen An- 
gaben habe ich ohne jedes Bedenken benutzt das Buch des 
verstorbenen Pfarrers Rogge: Geschichte des Kreises und 
der Diöcese Darkehmen, und vor allem die kleine von dem 
Schöpfer der Beynuhner Kunstsammlung Fritz von Faren- 
heid verfasste Schrift: Friedrich Heinrich Johann von 
Farenheid. 

Herrn von Farenheid-Beynuhnen, der mir in liebens- 
würdigster Weise die Durchforschung des Angerapper 
Archivs und die Einsicht in wichtige Familienpapiere ge- 
stattete, spreche ich an dieser Stelle dafür meinen ver- 
bindlichsten Dank aus. 

Königsberg, März 1900. 

Georg Krueger. 



Uie Farenheids sind ein seit Jahrhunderten in 
Ostpreussen ansässiges Patriziergeschlecht; sie scheinen 
um 1500 aus Rostock nach Königsberg eingewandert zu 
sein, sind fast ausnahmslos bis zur Mitte des 18. Jahr- 
hunderts Vertreter des Kaufmannstandes und bekleiden 
vielfach die ehrenvollen Ämter eines Ratsherrn, Gerichts- 
verwandten oder Kirchenvorstehers im Kneiphof. 

Ich muss darauf verzichten, die Vertreter der Fa- 
milie hier anzuführen, von denen weiter nichts als der 
Name und die Lebensdauer festzustellen ist, und be- 
schränke mich auf die Erwähnung derjenigen Farenheids, 
über die uns die vorliegenden Quellen wenigstens etwas 
mehr berichten. 

1550 beauftragte Bernhard Farenheid (geb. 1514, 
gest. 1551) Christoph Jan von Weissenfeis mit der Abfassung 
einer Chronik des deutschen Ritterordens und verewigte 
sich in der Einleitung derselben, „um als ein Liebhaber 
der Historien hierin erkannt zu werden. ltl ) 

Von seinem Enkel Bernhard, geb. 22. Februar 1548, 
gest. 20. April 1610, Ratsherrn des Kneiphofs, hat das 
Stammbuch des Reinhold Schleinius nachstehende Wid- 
mung erhalten: 

Ex curis virtus, ex vir tute gloria. 

Virtute et industria. 

Doctissimo omniumque virtutum genere ornatissimo 
Do. Reinholdo Schleinio, amico et fratri carissimo, in 
perpetuam sui memoriam haec paucula scripsi. 

Warsowiae 17 die Martis Ao. 1597. 

Bernhardus Farenheidt Boruss. 



1) Vergl. Altpreussische Monatsschrift V, S. 144, 249 u. 250. 



— 6 — 

In demselben Stammbuch findet sich ein Andreas 
Farenheid, über den sonst nichts bekannt ist. 

Penes quem est virtus et omnia adsunt bona. 

Haec pauca doctissimo omnique virtutum genere 
dignissimo Do. Reinholdo Schleinio scribebat in sui rae- 
moriam, amico ac populari suo carissimo 

Andreas Farenheid ßorussus. 1597. Juni 13. 

Barbara Farenheid, getauft am 11. November 1587, 
Tochter des zuletzt genannten Bernhard, schreibt 1611 
dem Dr. Ahasverus Schmidtner ins Stammbuch: 

„Zeitlich vergenglich. prechtig 1 ) ohnmechtig. Nichtig 

und flüchtig 
falsch unaufrichtig. Schedlich betrüglich 
die Menschen sindt auff Erden 
durch schön wort falsch geberden 
Ihr viel betrogen werden 
Auff menschen dich verlasse nicht 
Stell nur auff gott dein Zuversicht 
So wirdt dein sach wohl recht gericht. 

dies hab ich meinen 
lieben gutten freundt 
Ahasverus Schmidtner 
zum stedtgen gedechtniss 
geschrieben. 

Barbara Fahrenheidin." 

Dieselbe Barbara erscheint noch einmal in dem 
Stammbuch des Christophorus Schmidtner. 
„Gott verlest die Seinen nicht. 

Diss schreibe ich zum gedechnüs3 meinem lieben 
Bruder Christof Schmitener ao. 1633 den 9 augusti 

Barbara Fahrenheidin." 

Ihr jüngerer Bruder war Constantin Farenheid, Ge- 
richtsverwandter des Kneiphofs, vermählt am i. Dezbr. 1625 
mit Anna, Tochter des Ratsherrn Sigismund von Werth, 
gest. Juni 1660. Nach einem Stammbuch von ihm lässt 



1) = hochmütig, hoffärtig. 



— 7 — 

sich feststellen, dass er als Jüngling, wohl zu seiner kauf- 
männischen Ausbildung, sich längere Zeit im Auslande 
aufgehalten hat, so in Oxford 1613, in Paris 1614 und 
1615, in Strassburg 1615 und 1616, in Nürnberg 1616. 
Aus der Reihe der Stammbuchblätter sind leider nur die 
nachstehenden zwei wert abgedruckt zu werden. Das zweite 
enthält zufälliger Weise noch eine ganz besonders spezielle 
Angabe über eine Reise, die Constantin Farenheid mit 
dem Schreiber des Stammbuchblattes unternommen hat. 

Nihil altuis ascendit operosa humilitate. 

Aedifico non diruo. 

Hoc perpetui amoris tui monumentum iuveni nobili- 
tatis, morum et eruditionis ornamentis praeclarissimo 
Do. Constantino Farenheidtio amico meo pluribus nomi- 
nibus colendo adscripsit Oxoniae Academiae Anglorum 
florentissimae Decembr. 23. Anno salutis 1613. 

Nathanel Carpenter, Anglo. 

Oxoniensis Colleg. socius. 

Peregrinemur ut apes non ut araneae. 1 ) 

Haec iucunda recordationis et familiaritatis tessera 
meritissimo ac virtutum omni genere maxime conspicuo 
Do. Constantino Farenheid, (quicum per omnem septentri- 
onalem Angliam ad intima Scotiae penetralia profectus 
fui) adposita fuit a me 

Antonio Oleviano* 

Londini, 4. Augusti 1614. 

Eine Namensunterschrift von Constantin Fahrenheid 
aus dem Jahre 1626 finden wir in dem Willkürbuch der 
Kneiphöfischen Kaufmannszunft. 

In derselben Urkunde sind verzeichnet aus dem Jahre 
1617 Reinhold Farenheid (unbekannt) und Friedrich 
Fahrenheid (geb. d. 30.Decbr. 1586, gest. d. 26. Febr. 1625, 
vermählt mit Barbara Büttner) und aus dem Jahre 1631 
Hieronymus Fahrenheid (gest. d. 30. Sept. 1667). 

1662 wird ein Farenheid als Stiefsohn des Schöppen- 
meisters Rhode erwähnt. 2 ) 

1) Verschrieben: aranes. 

2) Vergl. Pr. Pr. El. IX, 243. 



— 8 — 

Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts lassen uns J 
jetzt die Quellen in Stiche; um diese Zeit wird auch der 
genealogische Zusammenhang der Familienmitglieder un- 
sicher, so dass aus diesem Grund von der Herstellung 
einer übersichtlichen Stammtafel Abstand genommen 
werden musste. 

Reinhold Farenheid. 

Das Geburtsjahr ist nicht festzustellen, das Todes- 
jahr ist 1736, die Publikation seines Testamentes erfolgte 
am 11. Juni 1736. Er war dreimal vermählt. 

Seine erste Gemahlin (Hochzeit am 30. August 1700) 
war Katharina, des Joachim Smit, Kaufmanns im Kneip- 
hof, Tochter, geb. 17. Oktober 1683, gest. 4. November 
1705. Dieser Ehe entsprossen drei Kinder: Reinhold (der 
spätere Kommerzienrat), Catharina Elisabeth (vermählt mit 
Hofrat Seil) und Regina Charlotte (vermählt mit Tribun ais- 
rat Grube). 

Am 14. April 1709 verheiratete er sich zum zweiten 
Male mit Anna Eleonora Lübeck (geb. d. 27. September 
1678, gest. d. 7. März 1710), der Tochter des verstorbenen 
Bürgermeisters des Kneiphofs. Dieser Ehe entspross 
Melchior Friedrich, geb. d. 25. Februar 1710; bei seiner 
Taufe waren als Gevattern zugegen: Friedrich Lübeck, 
Negotiant, Georg, Schuhmachermeister, Frau Bürger- 
meister Lübeck. 1 ) 

Die dritte Ehe schloss 3r am 26. Februar 1713 mit 
Loysa Adelgunda, Tochter des Königlichen Hofrats und | 
Oberappellations-Gerichtssekretarius Samuel Seil. Dieser 
Verbindung entspross eine Tochter, Adelgunda Loysa, geb. 
10. Oktober 1714. Bei ihrer Taufe waren als Gevattern 
zugegen: Jacob Zetzcke, Hof und Jagdrat, Frau Adelgunda 
Seil, Hofrätin, Frau Marie Dorothea Höpner, Geheim- 
sekretärin. 2 ) Auch die dritte Gattin verlor er schon nach ] 
kurzer Zeit, 1716 oder 1717. 

Reinhold Farenheid legte am Anfang des 18. Jahr- 

1) Die beiden ersten Ehefrauen Farenheids wurden auf dem 
Kirchhof an der Südseite des Doms bestattet. Dort befand sich 
bis 1810 noch ein Erbbegräbnis mit folgendem Epitaphium: 
Katharina Schmidt starb 1705 d. 4. Nov. und Anna Eleonora geb. 
Lübeck starb d. 7. März, Ehefrauen von Eeinhold Fahrenheid. 
Vgl. Gebser, Geschichte der Domkirche zu Königsberg, S. 281. 

2) Vergl. S. 12. 



— 9 — 

hunderts einen Teil seines Vermögens in ländlichem Grund- 
besitz an 1 ) und erwarb in den Jahren 1710 bis 1720 nach 
und nach mehrere, damals durch die Pest wüst gewordene, 
kleinere kölmische Güter im Kreise Gumbinnen und ver- 
kaufte dieselben 1622 an den Domänen-Kammerpräsidenten 
und Geheimrat Matthias Christoph von ßredow. 

Zu der ßegüterung gehörte „das kölmische Gut 
Puspern, 2 ) jiebst einer Kruggerechtigkeit und den dazu 
gehörigen Äckern, Wiesen, Wäldern und Triften, sowohl 
in den Dorfesgrenzen, als auch in Sonderheit bei Klein 
Schröterlauken und in der sogenannten Warnien, die 
Wassermühle zu Kl. Schurschienen, ferner das Dorf Klein 
Schurschienen mit allen dabei befindlichen kölmischen 
und Bauernäckern, Wiesen und Wald, nebst freiem Bau- 
holz zu des Dorfes Notdurft, das Vorwerk Ipatlauken mit 
allen und jeden Pertinenzien, der sogenannte Münchowsche 
Krug im Dorfe Kattenau nebst seinen Äckern und Wiesen, 
ingleichen der See Dumbeln und das Chatoulland bei 
Grieben, sowie das kölmische Gut in Pruszischken." 

Die Handelsbeziehungen Reinhold Farenheids er- 
streckten sich über die Ostgrenze unserer Provinz weit 
ins Grossherzogtum Lithauen hinein. Nicht immer war 
es ganz gefahrlos, jenseits der Grenze kaufmännische Ge- 
schäfte persönlich abzuschliessen, wenigstens ersieht man 
aus dem folgenden Fall, dass Reinhold Farenheid nahe 
laran war, dort sein Leben einzubüssen. 3 ) 

Am 13. Dezember 1724 wandte sich der Tribunalsrat 
3ell an den König mit der Anzeige, dass sein Schwieger- 
vater, der Gerichtsverwandte Reinhold Farenheid, zu Nowo- 

1) Vergl. Urkunden der Familie Käswurm in Puspern und 
Königl. Staatsarchiv E. M. 55, d. k. 

2) Das Hauptgut Puspern erhielt nun nach seinem Besitzer 
3en Namen Gr. Bredow. Bei dem Versuch die auf der Pusperer 
ßegüterung noch existierenden altpreussischen oder lithauischen 
Örtsbezeichnungen (wie Pakladim, Padugnis, Warninn, Noszeris) 
etymologisch zu erklären, lässt sich F. Hoppe, Altpr. M. Sehr. XII, 
p. 556 durch die Analogie von Brödlauken, Brödballen, Pabre- 
lubjei dazu verleiten, die Namen Bredow und Bredauen auf bredis, 
Elent, Hirsch zurückzuführen. Vergl. Lucanus, der Staat Preussen, 
liusführliche, geographisch-historische und politische Beschreibung 
8. 201. „Die Domänenämter Grumbkowkaiten, Lesgewangminnen 
pnd Bredauen führen ihre Benennung von den Wirklichen, Ge- 
heimen Etats- und Kriegsräten von Grumbkow, von Lesgewang 
and von Bredow. Lesgewangminnen hiess vordem Antakminnen, 
Bredauen hiess Cassuben. 

3) Kgl. Staatsarchiv, E. M. 91, 11. 



— 10 — 

grodeck, wohin er sich seiner Geschäfte halber habe 
begeben müssen, als eben das lithauische Tribunal 
daselbst abgehalten wurde und folglich ein jeder alle 
Sicherheit gemessen sollte, von den Polen auf grausame 
Art traktiert worden sei. ,,Wenn dieses unerhörte Ver- 
fahren — heisst es in der Eingabe wörtlich weiter — 
dem mit der Krone Polen und dem Grossfürstentum 
Lithauen aufgerichteten und beschworenen pactis publicis 
ganz offenbar entgegen ist, so bitte ich allerunterthänigst, 
Ew. Majestät wolle in Gnaden geruhen, und zwar ob sum- 
mum in mora periculum auf das allerschleunigste ein nach- 
drückliches Intercessionale 1 ) ergehen zu lassen, damit mein 
Schwiegervater nicht nur seines ungebührlichen Arrestes 
entlassen, sondern auch wegen der Gefahr der weiteren 
Anfälle mit genügender Eskorte bis an die Grenze des 
Königreichs Preussen gebracht werden möge." 2 ) 

1) Randbemerkung: „Nach meiner Meinung wird man wohl 
auch einen Intercessional schreiben und dem Supplikanten 
schleunigst helfen müssen." 

Dieses in einer Abschrift auf dem hiesigen Königl. Staats- 
archiv vorhandene Intercessionale, welches die Befreiung Rein- 
hold Farenheids aus seiner Haft herbeiführte, lautet: Relatum 
accepimus, Dominum Farenheid, spectatissimum huius civitatis 
iudicis assessorem, indigno plane modo ibidem locorum tractatum 
et arresto demum oneratum esse. Quod cum pactis, quae inter 
regnum Poloniae magnumque Ducatum Lithuaniae et Regnum 
Borussiae intercedunt, publicis maximo adversetur, quippe quae 
ex Borussia in Lithuaniam profectos iniuria affici vel ibidem 
conveniri et arrestari vetant, sed eos, qui contra ipsos actionem 
quandam habere putant, ad locum domicilii remitti iubent, il- 
lustrissimas atque perillustres Dominationes vestras hisce enixe 
rogamus, ut in temerarios pactorum transgressores graviter anim- 
advertant, dictumque Dominum Farenheid libertati restituant 
eique omnem ubique securitatem cum debita satisfactione praestent, 
quo securus ab omni ulteriore iniuria patrios repetere lares possit. 
Petimus hoc ipso nil nisi quod aequum et pactis consonum est, 
quare etiam non speramus, sed confidimus quoque, fore ut desi- 
derio huic nostro locus relinquatur. Quod reliquum est, illustrissi- i 
mas atque perillustres Dominationes vestras divinae tutelae per- 
quam diligenter commendatas cupimus. 

2) Folgender Brief schildert Umstände, unter denen die Ver- 
haftung erfolgte. Der Schreiber ist offenbar ein Geschäftsfreund 
des Hauses Farenheid. 

Monsieur Farenheid de chez vous est ä Nowogrodeck pour 
son malheur, il y est en arreste par plusieurs seigneurs qui 
pretendent de lui satisfaction pour plusieurs choses. S'il en 
echappe avec la vie, ce sera un grand bonheur; il lui en coütera 
beaucoup d'argent. La poste prochaine nous saurons ce qui sera i 
passe. Nous apprenons par un homme qui est venu de Nowo- 



- 11 — 

Eine Namensunterschrift von Reinhold Farenheid 
vom 21. Juni 1731 findet sich unter den leges der Kneip- 
höfischen Kaufmannszunft. 

Nach seinem Testamente (datiert 23. und 26. De- 
zember 1734) sollte seine jüngste Tochter Adelgunda Loysa 
entweder 40000 Gulden oder die Hälfte seiner Hinter- 
lassenschaft nach eigener Wahl erhalten, seine beiden 
Söhne Reinhold Friedrich und Melchior Friedrich, von denen 
der ältere damals wohl schon selbstständiger Kaufmann, der 
jüngere Student der Rechte war, sollten sich mit je 
x /4 des väterlichen Vermögens begnügen. Die beiden ver- 
heirateten Töchter sind in dem Testamente nicht bedacht. 

Noch bei Lebzeiten des Vaters (1731) sah sich Mel- 
Ichior Friedrich genötigt, gegen seinen Onkel, den Stadtrat 
I Lübeck 1 ) (Bruder seiner am 7. März 1710 verstorbenen 
Mutter), der sein mütterliches Erbe seit 1713 verwaltete, 
die Hilfe des Gerichts anzurufen, weil dieser ihn nach den 
Vormundschaftsrechnungen um mindestens 15000 fl. ge- 
kürzt hätte. 2 ) Er bat, die Entscheidung in diesem Streit- 
fall nicht der zuständigen Behörde, dem Königsberger 
Magistrat, zu übertragen, weil nicht allein der Bürger- 
meister, sondern auch die meisten Magistratsmitglieder 
nebst dem Sekretarius dem Stadtrat Lübeck mit ganz 
naher Schwägerschaft oder Blutsfreund schaft verwandt 
wären, sondern an eine Kommission zu verweisen, als 
deren Mitglieder er zu bestätigen bat: Tribunals- und Hof- 
gerichtsrat von der Groeben, Tribunals- und Stadtrat 
Dr. Grube, Stadtrat Dr. ßoltz, Hofgerichtssekretarius 
Thegen. Statt Dr. Grube schlug er kurze Zeit darauf vor 
den Hofrat Dr. Berent zu wählen, da der erstere „sich 
in diesen Tagen mit seiner Schwester ehelich versprochen." 
Als diese vom Könige eingesetzte Kommission zu Gunsten 
Melchior Friedrichs entschieden hatte, wandte sich der 
Magistrat beschwerdeführend an den König und machte 
geltend, dass der Studiosus Farenheid die Verweisung der 
ganzen Angelegenheit an die erwähnte Kommission „aus 
der ungegründeten Ursache erbeten und durchgesetzt," 



grodeck que le dit Farenheid a &t& extremement maltraitä et que 
si le Starosta Meretzky n'avait ete" k son secours avec sa garde 
qu'il aurait 6te massacre\ Si Dieu nons fait la gräce de vivre, 
nous en verrons la fin. 

1) Vergl. S. 8. 

2) Kbg. Staatsarchiv E. M. 80, e. 

2* 



— 12 — 

als ob alle Mitglieder des Magistrats nahe Freunde und 
Anverwandte des Stadtrats Lübeck wären, dass er hingegen 
nicht zwei Personen aus dem Magistratskollegium namhaft 
machen könne, die dem Stadtrat Lübeck mit so naher 
Freundschaft verwandt seien, dass sie dadurch dem Rechte 
nach zur Abnahme seiner Vormunds-Rechnung nicht ad- 
mittiert werden könnten. Der König verwies nun den 
Rechtsstreit vor das Forum des Magistrats, der zu Gunsten 
Lübecks entschied; auch das Oberappellationsgericht schloss 
sich dem Urteil der ersten Instanz an. Auf die Beschwerde 
Melchiors beim Könige verlangte dieser die Einsendung 
der Akten und entschied schliesslich diesen Streit in der 
Weise, dass er Melchior, der inzwischen die Stellung eines 
Sekretarius erlangt hatte, den Anspruch auf einen Teil 
der strittigen Summe zuerkannte. 

Melchior Friedrich wurde im Jahre 1738 vom Könige 
zum Hofrat ernannt und erhielt „die Adjunktion des Ober- 
sekretarius Behrend"; auch war er Mitglied des collegium 
sanitatis. 

Auch die jüngste Tochter Adelgunda Loysa zeigte 
der Behörde im Jahre 1735 an, 1 ) dass ihre beiden Vor- 
münder Joh. Heinrich Felbinger und Anton Schultz in so 
vielen Jahren (wahrscheinlich seit dem Tode ihrer Mutter, 
also seit etwa 18 Jahren) keine Vormunds-Rechnungen 
über die ihr von den Grosseltern und von der Ge- 
heimrätin Höpner zugefallenen Erbschaften abgelegt hätten, 
und bat den Lizentsekretarius und Gerichtsadvokaten 
Classenius zu ihrem Kurator zu bestätigen. 

Reinhold Friedrich Farenheid, Stadtrat und 
Kommerzienrat. 
Er wurde 1703 geboren, war vermählt mit Johanna 
Lovisa von Hoffmann und starb am 14. Oktober 1781. 
Durch sein kaufmännisches Genie erwarb er ein kolossales 
Vermögen. 2 ) Es ergab sich aus seinen Handelsbüchern, 
dass er in den Jahren 1749—1758 allein jährlich zwischen 
1500 — 2000 Last Salz nach dem Grosshei zogtum Lithauen 
verkauft oder gegen andere Produkte umgetauscht hatte. 3 )- 
Während der Okkupation Ostpreussens durch die 

1) Kgl. Staatsarchiv, E. M. 61 b. 

2) Friedrich Heinrich Johann von Farenheid, eine bio- 
graphische Skizze, S. 4. 

3) Vergl. Pr. Pr. ßl. IX, S. 410. 



— 13 — 

Russen soll er durch Armeelieferungen seinen Wohlstand 
begründet haben. 1760 wurde er zum Stadtrat gewählt. 

Am 25. April 1763 ernannte der König ihn wegen 
seiner Urschicklichkeit, seiner Wissenschaft und Kenntnis 
von Kommerziensachen und Handlungsgebräuchen, sowie 
seiner Redlichkeit zum preussischen Kommerzienrat mit 
Sitz und Stimme im Kommerzienkollegium. Diese Aus- 
zeichnung war damals also mehr als die Verleihung eines 
blossen Titels und war mit der Übernahme einer Reihe 
von Pflichten verknüpft, auf deren genaue Erfüllung der neu 
ernannte Kommerzienrat vom Könige ausdrücklich hinge- 
wiesen wurde. „Absonderlich muss er den Versammlungen 
des Commerzien-Colegii fleissig beiwohnen und über die 
daselbst vorkommenden Sachen nach vorgängiger reifer 
Erwägung derselben sein Votum schriftlich oder mündlich, 
wie es die Umstände erfordern, nach wahrem Recht, un- 
parteiisch und pflichtmässig, prompt abgeben und seines 
Orts mitbefördern helfen, dass die bei dem Commerzien- 
Collegio vorkommenden Sachen ohne Umstand sobald als 
es immer möglich verabschiedet und die Parteien darunter 
nicht aufgehalten werden, wie er denn auch auf Vorschläge, 
welchergestalt unser preussisches Commerzium und die 
Manufakturen etwa zu verbessern sein möchten, zu denken 
und solche dem Commerzieü-Collegio zu eröffnen hat, da- 
mit dieses alsdann mit Unserer Kriegs- und Domänen- 
kammer darüber konferieren und uns nach Befinden davon 
Bericht abgestattet werden könne." 

„Es charakterisiert die damalige Zeit, dass die 
Königsberger Kaufmannschaft, um sich seiner Alleinherr- 
schaft auf dem Meere und den Handelswegen zu entziehen, 
Hilfe suchend vor Friedrich den Grossen trat, der wiederum 
von seinem Allmachtsstandpunkte aus zu Gunsten dieser 
ron Reinhold Farenheid die Beschränkung seiner weiten 
äinflussreichen Handelsbeziehungen verlangte und ihm so- 
mit die Lebensader seiner geistigen Existenz zerschnitt. 
Er legte nun seine Handelsgeschäfte ganz nieder, da er 
nit dem Verluste der geistigen Arbeit ein jedes Interesse 
? ür diese Beschäftigung verloren hatte." 1 ) 

,, 1) Es ist mir nicht gelungen, für diese aus der eben citierten 
Mshnft von Fritz von Farenheid entnommene Angabe, die ohne 
Zweifel auf einer Familientradition beruht, weder aus den Akten 
ler hiesigen Kaufmannschaft, noch aus den Urkunden des Kgl. 
Staatsarchivs Beläge herbeizubringen. 



— 14 — 

Die Einfachheit und Strenge dieses Mannes gegen sich 
selbst, die Milde und das Wohlwollen gegen seine Nächsten 
waren allgemein bekannt. Auf Anregung Kanters steuerte 
er 2000 Thaler zu einem Fonds bei, aus dem die Reise- 
kosten für fähige, junge Leute bestritten werden sollten, 
welche im Philanthropinum in Dessau sich mit der Lehr- 
methode vertraut machen wollten. 1 ) In seinem Testamente 2 ) 
vermachte er dem Magistrat ein Kapital von 6000 Gulden 
mit der Bestimmung, die Zinsen zum Schulgeld für recht 
arme, hilflose Kinder zu immer währenden Zeiten zu ver- 
wenden, ohne im geringsten auf den Stand, Geschlecht und 
Verwandtschaft zu reflektieren. Ferner bestimmte er, dass 
sogleich nach seiner Beerdigung an die ausserhalb der 
Hospitäler und Stifte lebenden Armen der Stadt 1000 Gulden 
unverkürzt auszuzahlen seien, einem so viel, wie dem 
andern. Der Königsberger Generalarmenkasse vermachte 
er 2000 Gulden, jedem Angestellten seiner Handlung 5 ) 
200 Gulden, und jedem übrigen bei seinem Heimgange in 
seinen Diensten stehenden Mann oder Frau 100 Gulden. 
Seine edelste Wohlthat, die er den Armen und Be- 
dürftigen erwiesen hat, ist die Begründung des nach ihm 
benannten Armenhauses, welches er für ewige Zeiten mit 
reichen Mitteln dotierte. Am 10. Oktober 1764 stiftete 
er mit einem Kapital von 50000 Gulden das Farenheid 
sehe Armenhaus, in welches nach der Stiftungsurkunde 
„Arme beiderlei Geschlechts, alte und junge, so auf den 
Strassen betteln gehen, und die wegen ihrer Jugend unc 
Kränklichkeit durch ihrer Hände Arbeit sich nicht völlig 
ernähren können, aufgenommen und und mit gesundei 
Kost und Trank notdürftig unterhalten werden ^ sollen 
Diese eingenommenen Armen sollen uns nicht müssig sein 
sondern durch nähen, stricken, Wolle oder Garn spinnen 
auch zu ihrem Unterhalte etwas beitragen." 

Der König bestätigte die Verschreibung des neuei 
Armenhauses unter dem 7. April 1768 und fügte „zu dei 

~ 1) Pr. Pr. Bl. 1850, S. 248. 

2) Abschrift in den Angerapper Gutsakten. 

3) Diese Bestimmung hat sicherlich keine praktische Aus 
führung erhalten. Kommerzienrat Farenheid hatte sich schOJ 
1778 wegen seiner immer zunehmenden Kurzsichtigkeit, die es ihi 
schwer machte, selbst seinen Namen zu unterzeichnen, vollständi; 
von seinen Geschäften zurückgezogen und seinem Sohn, dei 
Kriegsrat Farenheid, General- und Spezialvollmacht erteil 
(Angerapper Gutsakten.) 



— 15 — 

hochherzigen Stifters Bedingungen noch eigenmächtig solche 
hinzu". Er bestimmte, dass die auf dem Rossgarten ge- 
legene, ehemalige Löbenichtsche Zieglerwohnung nebst 
dem kleinen Hause unweit davon und dem ganzen dazu 
gehörigen Platz, der der Königsberger Stadtkämmerei ge- 
hörte, unentgeltlich von der Stadt freigegeben und ge- 
schenkt werden sollte. „Alle schandbaren Missethäter, 
Diebe, Spitzbuben, oder die bereits in Scharfrichters Händen 
gewesen, sollen von der Aufnahme in dieses Armenhaus 
gänzlich ausgeschlossen bleiben. Die auf der Strasse, in 
den Häusern auf Bettelei betroffenen Armen sollen durch 
Überführung in das Armenhaus zur Arbeit gewöhnet 
und angeführet und ihnen Mittel und Wege gezeiget 
werden, mit ihrer Hände Arbeit ihr eigenes Brot zu ver- 
dienen. Deshalb soll ihnen, wenn sie sich dennoch nicht 
zur Arbeit und Fleiss bequemen wollen, wozu sie nach 
Beschaffenheit ihres Körpers und der Gesundheit aufgeleget, 
vorerst etwas an Speise und Getränken entzogen, wenn 
aber ihre ßoshaftigkeit und Halsstarrigkeit zu gross, 
sollen sie mit härteren Mitteln und Ausschliessung aus 
dem Armenhause bestraft werden." Nach der Begründung 
des Armenhauses übernahm es Kommerzienrat Farenheid, 
noch sämtliche Kosten, welche der Bau der Anstalt ver- 
anlasst hatte, zu entrichten, so dass die 50000 Gulden ohne 
allen Abzug nur zur Unterstützung der darin Auf- 
zunehmenden dienen konnten. 

Am 31. Mai 1788 schenkte der Sohn des hochherzigen 
Stifters, Kriegsrat von Farenheid 1 ) das ihm aus der väter- 
lichen Hinterlassenschaft zugefallene Haus, Kneiphöfische 
Hofgasse, Servisnummer 296, dem Armenhause „zu mehrerer 
Aufnahme und Unterstützung". 

Als der Magistrat einige Zeit darauf über die Schen- 
kung des Kapitals, das bis dahin mit 6 pCt. verzinst 
worden war, ein Dokument zu haben wünschte, fügte 
Kriegsrat von Farenheid aus eigenen Mitteln noch 10000 
Gulden zur Schenkung hinzu und erklärte sich bereit, das 
ganze Kapital, 60000 Gulden, am 15. December 1791 dem 
Magistrat abzuzahlen. Ausserdem schenkte er, als Ersatz 



1) Die Geschichte des Farenbeidschen Armenhauses, soweit 
die Familie des Stifters dabei beteiligt ist, soll an dieser Stelle 
bis zum Tode des Kriegsrats von Farenheid im Zusammenhang 
fortgeführt werden. 



für die zukünftig in Wegfall kommenden Zahlungen für 
Holz- und Lichtbedarf, die ihm gehörigen Häuser Sack- 
heim 91 und 111 mit einer jährlichen Miete von 166rthl. 
dem Armenhause zum uneingeschränkten Eigentum. An 
diese beiden neuen Schenkungen knüpfte er jedoch die 
Bedingungen, dass es ihm und seinen Nachkommen immer 
vorbehalten bleiben sollte, vier Stellen in dem Armenhause 
mit Personen zu besetzen , die sich nach seiner oder 
seiner Nachkommen Meinung qualifizierten. Ferner ver- 
langte er, dass es ihm und seinen Nachkommen freistehen 
sollte, sich von Zeit zu Zeit über die jedesmalige Ver- 
fassung und Verwaltung des Armenhauses Auskunft zu er- 
bitten, und insoweit eines oder das andere dabei nicht 
zweckmässig scheinen sollte, den Magistrat um Abände- 
rung desselben zu ersuchen, falls aber dem Antrage wider 
Vermuten nicht entsprochen würde, sich höheren Orts 
deshalb zu verwenden. 

Die in Aussicht gestellte Zahlung des Kapitals wurde 
nicht geleistet, der Magistrat erklärte sich vielmehr mit 
einer auf Angerapp für das Armenhaus eingetragenen 
Hypothek für hinreichend gesichert. Als indes im Jahre 
1809 Kriegsrat von Farenheid um die Genehmigung bat, 
das in Angerapp eingetragene Kapital nach der Über- 
nahme dieses Gutes durch seinen Sohn auf Beynuhnen zu 
transferieren, konnte sich der Magistrat nicht dazu ent- 
schliessen, „die aus der Milde des Herrn Kommerzienrat 
Farenheid zum besten der Armen gestifteten, auf die 
Angerapper Güter sicher eingetragenen 20000 rthl., gegen 
eine schlechtere Stelle auf den Beynuhner Gütern zu ver- 
tauschen. " 

Am 22. Dezember 1830 machte der Magistrat den 
Vorschlag, das dicht an der städtischen Krankenanstalt 
gelegene Armenhaus zur Erweiterung der Krankenanstalt 
zu benutzen, und das Armenhaus nach dem Gebäude Sack- 
heim 25, Kalkscheune genannt (bis dahin Garnison-Lazarett 
des 3. Inf.-Rgts.), zu verlegen. Das in Vorschlag gebrachte 
Haus liess Kriegsrat von Farenheid auf seine bauliche 
Beschaffenheit durch seinen Sohn untersuchen und er- 
klärte sich auf dessen eingehenden Bericht mit der Ver- 
legung der Anstalt unter der Bedingung einverstanden, dass 
vorher gewisse bauliche Veränderungen zu Gunsten der 
Bequemlichkeit der Insassen vorgenommen würden. 

Die Übersiedelung erfolgte am 31. Mai 1831. 



— 17 — 

Von ganz besonders einschneidender Bedeutung für 
das weitere Schicksal der Familie Farenheid war die 
Sicherung des Vorkaufsrechtes auf die Angerapper Be- 
güterung, die Kommerzienrat Farenheid 1762 für seinen 
noch unmündigen Sohn erwarb. 1 ) 

Es erschien mir von Wichtigkeit, die Geschichte des 
Gutes Angerapp, mit der der Name Farenheid seit mehr 
als 130 Jahren auf das engste verknüpft ist, nach den 
dort vorhandenen Gutsakten zusammenzustellen. 

Von der Mitte des 15. bis gegen Ende des 16. Jahr- 
hunderts waren die Grafen von Schlieben die Besitzer fast 
sämtlicher Güter der Ämter Nordenburg und Gerdauen. 
Ohne Zweifel haben sie auch Teile der späteren Ange- 
rapper Begüterung besessen. 

Am 19. November 1618 vertauschte mit Bewilligung 
des Kurfürsten Johann Sigismund der Landrat und Haupt- 
mann auf Angerburg Wolf von Kreytz sein Dorf Krappel- 
nau, 40 Hüben gross, im Amte Osterode gelegen, gegen 
die Dörfer Kl. Medunischken, Stawischken, Kl. Szabienen 
und Plimballen im Amte Insterburg gelegen, insgesamt 
64 Hüben 18 Morgen samt der Kirche (Szabienen). Der 
Kurfürst verschrieb ihm die Dörfer zu magdeburgischen 
Rechten und erliess ihm mit Rücksicht auf den grösseren 
Nutzungswert des eben vertauschten Krappelnau 600 Mark 
hinterstellige Erbgelder und 77 fl. erblichen Zins. Er ver- 
lieh ihm, seinen Erben und Nachkommen das Kirchenlehen 
zu Szabienen, wie auch die Botmässigkeit über die Krüge zu 
Kl. Szabienen, ingleichen frei Brennholz aus der Mintischen 
Heide oder den sonst daselbst gelegenen landesherrlichen 
Wäldern zu Hof- und Feuersnotdurft, aber nicht zu verkaufen; 
daneben freie Viehtrift, wied die Mühle zu Szabienen samt 
dem Ober- und Mühlenteiche, und den See Szabienen nebst 
einem Moosbruch „so an Kl. Szabienen und das Vorwerk 
Angerapp und ein unurbarer, ausgeschlagener Ort ist." 

Am 12. Juni 1619 verkaufte Wolf von Kreytz diese 
Dörfer an seinen Schwiegervater, den kurfürstlichen 
Regimentsrat und Kanzler Christoph von Rapp, der be- 
reits vorher das Vorwerk ^Bischunen (Angerapp) käuflich 
an sich gebracht hatte. Über ein Jahrhundert waren die 
Güter im Besitz der Familie Rapp. 

Am 9. Mai 1673 nach dem Tode des Oberstwacht- 

1) Vergl. S. 21. 



— 18 — 

meisters Christoph von Rapp 1 ) fiel der Besitz, bestehend 
aus den Angerapper Gütern (62 Hufen), dem Gut Sargen 
(19 Hufen) und Jodschin (4 Hufen), laut Erbvertrag 
zwischen der Witwe des Verstorbenen, Agnes Catharina 
Rapp geb. v. Oehnhausen, und den Söhnen Johann Fried- 
rich, Melchior und Christoph an Joh. Friedrich Rapp für 
den Preis für 50300 Mark preussisch. 

Am 19. Februar 1704 verkaufte Carl Ehrenreich Rapp 
die Begüterung (99 Hufen 28 Morgen gross) an seinen 
ältesten Bruder, den Leutnant Johann Christoph Rapp 
für 99933 fl. Der Wert eines Pferdes wird in dem 
damals angefertigten Inventarienverzeichnis auf 10 — 12 fl., 
der eines Rindes auf 10 — 15 fl., einer Last Haber auf 
15 Groschen, einer Last Gerste auf 24 Groschen, einer 
Last Korn auf 1 fl. angestellt. 

Im Frühjahr 1710 starb Joh. Christoph Rapp, ohne 
männliche Erben zu hinterlassen, weshalb die Güter laut 
Erb vertrag vom 14. März 1710 auf den nunmehrigen 
ältesten Bruder Carl Ehrenreich Rapp übergingen. Die 
Witwe des Verstorbenen Dorothea Charlotte geb. Budden- 
brook erhielt bei'der Erbregulierung 17000 fl. polnisch 
ausgezahlt und musste sich verpflichten, binnen 4 Wochen 
die Güter zu evakuieren und nichts an ihren meubles zur 
Beschwerde des Herrn Lehnsbesitzers demselben auf dem 
Halse zu lassen. Während der Pestjahre verloren die 
Angerapper Güter nach der persönlichen Angabe des Be- 
sitzers über 600 Menschen und durch Viehseuche eine 
grosse Menge Vieh. Im Herbst 1712 ging auch ein 
treffliches Vorwerk, dessen Scheunen alle gefüllt waren, 
unvermutet in Flammen auf, wodurch der Besitzer einen 
Schaden von 15 000 fl. erlitt. Im Jahre 1726 kamen die 
Güter zum Konkurse. Das Gutachten des Kammerver- 
wandten Böhm entwirft ein trübes Bild von den damaligen 
Zuständen. „Vorwerk Angerapp (9 Hufen), Gr. Szabienen 
(5 Hufen), Paulsdorf (11 Hufen) liegen ganz wüst und 
sind ohne Besatz; der Acker ist steinicht, schlecht und 
sehr verwachsen. Vorwerk Skupowen ist ganz wüst, und 
ist nicht Stock noch Stiel darauf, Vorwerk Sargen ist 
von allem Besatz entblösst (zusammen 15 Hufen). Das 
Dorf Sodarren hat 9 Hufen, davon liegen ganz wüst 

1) An ihn erinnert jetzt noch eine Wetterfahne auf einem 
Wirtschaftsgebäude, die] die Jahreszahl 1652 und das Zeichen 
C. v. R. trägt. 



— 19 — 

6 Hufen. Jotschin hat 4 Hufen, ist abgebrannt, 
ausser einem Gärtnerhäuschen sonst nichts befindlich 
und liegt ohne Besatz, ganz wüste, hat nichts ge- 
sät, sondern hat Vieh zur Weide angenommen. Stibirchen 
und Kl. Szabienen haben 16 Hufen, wovon wüst liegen 
4 Hufen, Dorf Kl. Medunischken hat 27 Hufen, wovon 13 
wüst sind. Von dem ganzen, 96 Hufen grossen Besitz 
liegt also die Hälfte des Ackerlandes wüst, wozu noch 
9 Hufen Wald kommen, aus denen dieses abgelegenen 
Ortes wegen nichts zu machen ist. Sind verschiedene 
Teiche vorhanden, welche wohl Fische geben möchten, 
allein sie erfordern auch grosse Reparation, angesichts 
die Dämme verfallen, die Gräben auch die Teiche an sich 
selbst verwachsen und zu reinigen sind. Die Hofgebäude, 
also auch die Dörfer und Vorwerke, welche noch Gebäude 
haben, sind durchgehends miserabel, die Wiesen sind 
allenthalben verwachsen, die Gräber verschlemmt, alle 
wüsten Äcker verwachsen, nur 1 / 2 Schock Kühe vorhanden, 
während 3 1 / 2 Schock gehalten werden möchten. Wenn 
diese Güter in vollkommnen Stand, wie sie vor alters ge- 
wesen, sollen gesetzt werden, sind selbige schwerlich unter 
12 bis 15000 fl. einzurichten." 

Aus dem Konkurse erstand der Studiosus Christian 
Wilhelm von Lau, Kornet in dem Markgraf Albrechtschen 
Regiment, die Begüterung am 17. Mai 1728 für den Preis 
von 8000 Thalern. 

Bei der Übergabe bemerken die Generalbevoll- 
mächtigten des Käufers, dass es grosse Mühe kosten wird, 
die zu entrichtenden Lasten aufzubringen da in den Gütern 
„pro nunc das meiste annoch wüst." Sie stellen vor, wie 
der Acker grösstenteils verdröschet, die Hof- und Bauern- 
gebäude verfallen, die Mühle baufällig, die Krüge, 
worunter der zu Jodtschin, gar nicht gebauet, „vielmehr 
daselbst eine elende, nicht zehn Thaler wert seiende 
Pauern-Kiffe stehet." Sie bitten zum Schluss ihres Be- 
richtes, dass „ihnen amtlich möge nachgegeben werden, 
sofort Besatz zu schaffen und das allernotwendigste an 
den Hof- und Pauerngebäuden zu rektifizieren und grösseren 
Schaden zu verhüten." 

Nach der 1732 aufgenommenen Personen tabelle lebten 
auf dem über 90 Hufen grossen Komplex, abgesehen von 
den vier neu angezogenen Familien und mit Ausschluss 
der Kirchen- und Schulbeamten nur 250 Personen. 

3* 



— 20 — 

Der neue Besitzer hob durch rationelle Bewirt- 
schaftung, sowie durch den Bau der notwendigen Gebäude 
den Wert der Begüterung derart, dass derselbe nach 45 Jahren 
fast auf das Zehnfache zu stehen kam. In den Jahren 
1730— 1740 baute er das Hauptgut Angerapp vollständig 
neu auf; das von ihm erbaute Herrenhaus, das Admi- 
nistratorhaus, das Brenn- und Brauhaus, sowie mehrere 
massive Wirtschaftsgebäude stehen heute noch. 

Der Landgerichtsrat Lucanus aus Insterburg erzählt 
um das Jahr 1750 in seiner Schrift über Preussens ur- 
alten und heutigen Zustand p. 666 folgendes: 

„Angerapp, vormals adliger Rittersitz der von Rapp, 
jetzt der von Lau an der Angerapp, die ihm auch den 
Namen verleihet hat. Sowohl das Wohnhaus, als die 
Stuben und Ökonomie-Gebäude sind alle neu, geraum und 
sehr ansehnlich aufgeführt, daraus man den schönsten 
Prospekt in den grossen, etwas niedrig angelegten Garten, 
welcher mit den rarsten Bäumen und Gewächsen be- 
pflanzet ist, wie auch in die Allee eines dahinter liegen- 
den dicken Fichtenwaldes haben kann. . . . Übrigens 
liefern die Angerappschen Teiche die herrlichsten und 
delikatesten Karpfen, denen an Grösse und Geschmack 
selten andere Karpfen beikommen, wie denn hier Stücke 
von etlichen 20 Pfund gefangen werden." 

Die Rechte des neuen Besitzers auf die Begüterung 
wurden übrigens schon nach kurzer Zeit von dem Kapitän 
Samuel von Polentz angefochten, welchem der König 1734 
„die Anwartung auf die Angerapper Begüterung ge- 
schenkt" hatte. Es kam ein Yergleich zu stände, nach 
welchem Kapitän von Polentz seinen Ansprüchen gegen 
eine Zahlung von 8000 fl. entsagte, worauf der König am 
12. Dezember 1737 dem Rittmeister von Lau die ganze 
Begüterung zu adlich-kölmischen Rechten verlieh. 

Es erhielten damals die adlige Qualifikation: das 
Dorf Medunischken (27 Hufen 12 Morgen), das Vorwerk 
Paulsdorf oder Stawischken (11 Hufen 8 Morgen), das 
Dorf Szabienen (16 Hufen 20 Morgen), das Dorf Plimballen 
oder Sodarren (9 Hufen 7 Morgen) und die Mühle Sza- 
bienen. Ferner sollten zu dem neu geschaffenen Allodium 
gehören: der Ober- und Mühlenteich und der See Sza- 
bienen nebst einem Moosbruch, wie auch alle Krugge- 
rechtigkeit und freie Viehtrift, frei Bau- und Brennholz 
auf gebührliche Amtsanweisung aus der Mintischen Heide 






— 21 — 



oder andern daselbst gelegenen landesherrlichen Wäldern 
zu Feuersnotdurft für den Besitzer und seine Leute, aber 
nicht zu verkaufen, desgleichen das Kirchenlehen zu 
Szabienen, die Strassen und andere Gerichte, gross und 
klein, mit allen Freiheiten, Gerechtigkeiten und Herrlich- 
keiten. Dahingegen sollte der Rittmeister von Lau, seine 
Erben und Erbnehmer, auch die jedesmaligen Besitzer 
dieser Güter nicht allein den darauf geschlagenen General- 
Hubenschoss, sondern auch für diese durch Versetzung 
der Güter aus dem Lehen ins Erbe angediehene Gnade 
den Allodifikations-Kanon mit 15 Groschen von der Hufe 
und 10 Thaler 9 Groschen an Vererbungszins an die Ober- 
steuerkasse jährlich entrichten, aber aller übrigen Ur pflichte 
und Beschwerden, als vom Zinse, Servis- und Fourage- 
geldern und wirklicher Einquartierung gänzlich befreit sein. 

Durch das Testament 1 ) des Rittmeisters von Lau 
vom 9. April 1750 fielen die Güter an seinen Halbbruder, 
den Kurfürstlich- Sachsen -Meiningenschen Hofrat Johann 
Jacob von Hoffmann. 

Mit Bewilligung der übrigen Erben 2 ) erwarb sie nun 
Kapitän Jacob Friedrich von Hoffmann aus dem Nach- 
lasse seines Vaters für 37000 Thaler, verpflichtete sich 
aber, seinem damals noch unmündigen Neffen, dem späte- 
ren Kriegsrat von Farenheid, bei erlangter Grossjährigkeit 
die Güter für den Kaufpreis und Erstattung der Meliora- 
tionskosten zu überlassen. Er cedierte diesem infolge 



1) Bei seinem Begräbniss sollen keine Glocken geläutet 
werden, nichts desto weniger aber die Glocken bei der 
Schlosskirche, in dem Löbenicht und auf dem Sackheim in Königs- 
berg bezahlt werden, als ob sie wirklich geläutet worden. Seine 
Leiche soll in Szabienen in aller Stille beigesetzt werden. 1000 Thaler 
sollen auf den Angerapper Gütern in perpetuum als zinsbares 
Kapital stehen und mit 5% verzinst werden. Diese Zinsen dürfen 
allein zu Bauten und Reparaturen an der Kirche, den Pfarr- und 
Schulgebäuden verwandt werden. Die Zinsen von 100 Thalern 
zu 6%, die gleichfalls unablöslich einzutragen sind, sollen jährlich 
unter die Hospitaliten des Angerapper Hospitals verteilt werden. 

2) Hofrat Johann Jacob von Hoffmann 

1. Kapitän Jacob Friedrich von Hoffmann, vermählt mit 

geb. von Reichenbach. 

2. Regina Wilhelmina vermählt mit Kammerdirektor von 

Boerstell. 

3. Wilhelmina Regina vermählt mit Kammerherrn, Haupt- 

mann Baron von Oberländer. 

4. Johanna Lovisa, vermählt mit Kommerzienrat Farenheid. 



— 22 — 

dessen durch den Vertrag vom 24. April 1773 die gänzlich 
schuldenfreie Begüterung, bestehend aus Hof und "Vorwerk 
Angerapp, den Vorwerken Sodargen, Paulsdorf und Zargen, 
den Bauerndörfern Medunischken, Stibirchen und Scupowen, 
dem Kirchdorf Szabienen, dem Kruge Szabienen, dem 
Kruge Jotschin nebst Mühle und Ziegelscheune, dem Deutsch- 
manDSchen Kruge für 75000 Thaler vom 1. Juni 1773. Bei 
der vierzehn Tage später erfolgten Übergabe fehlen folgende 
in dem Cessionsinstrument zu übergebenden Besitzstücke: 

1. 286 Kühe, welche von dem Vorbesitzer mit 6 Thlr. 

45 Gr. pro Stück vergütet werden, 

2. 30 Bienenstöcke, ersetzt mit 1 Thlr. 30 Gr. 

3. die nach dem Inventarium abzutretenden Schweine, 

Schafe und das Federvieh, wovon nichts vorhanden, 
werden vergütet in Summa mit 71 Thlr., 

4. bei der Aussaat ergiebt sich ein zu ersetzendes 

Quantum im Werte von 137 Thlr. 37 Gr. 

Johann Friedrich Wilhelm von Farenheid, 
Kriegs- und Domänenrat, 
wurde am 17. Februar 1747 zu Königsberg als einziger 
Sohn des Kommerzienrats Farenheid geboren und sollte 
auf des Vaters Wunsch nach vollendeten Studien die 
Civilcarriere einschlagen. Die Ruhraesthaten Friedrichs 
des Grossen erweckten jedoch in ihm das glühende Ver- 
langen, in die Armee zu treten; vergebens waren die 
Warnungen und Drohungen des Vaters; der Sohn Hess 
sich heimlich bei den schwarzen Husaren anwerben. Der 
Vater, auf das äusserste erzürnt, wollte sein einziges 
Kind enterben und sein grosses Vermögen wohlthätigen 
Anstalten und dem staatlichen Interesse zuwenden. Alle 
Bitten und Vorstellungen der Freunde und Verwandten 
prallten an der eisernen Natur des Mannes ab, bis end- 
lich im entscheidenden Augenblick das energische und 
überwältigende Auftreten seiner Schwägerin, der Baronesse 
Oberländer, 1 ) seinen starren Sinn brach, die väterlichen 
Gefühle wieder erweckte und dem Sohne endlich Verzeihung 
erwirkte. Nur mit Mühe und vornehmlich durch die Be- 
mühungen des befreundeten Generals von Lossow konnte 
der Sohn von seinen übereilt eingegangenen Verpflich- 
tungen befreit werden. 2 ) 






1) Vergl. S. 21, Anm. 2. 

2) Nach Fritz von Fahrenheids Schrift. 



— 23 — 

Bald darauf begann der junge Farenheid mit Eifer 
seine Vorbereitung für seinen Beruf als Verwaltuugs- 
beamter, bestand 1770 das Staatsexamen und wurde noch 
in demselben Jahre dem Kriegs- und Domänenrat bei der 
lithauischen Kammer in Gumbinnen überwiesen. Am 
4. August 1770 unterzeichnete er bereits als Mitglied der- 
selben die VerschreibuDg eines zum Gute Kieselkehmen 
gehörigen Bruches. 1 ) In Gumbinnen vermählte er sich mit 
Friederike Amalie Austin, der Tochter des Kriegs- und 
Domänenrats Austin, der zugleich Besitzer des Gutes 
Kieselkehmen war. Von den vier aus dieser Ehe ent- 
sprossenen Kindern starben ein Sohn und zwei Töchter 
schon im zarten Alter, nur der älteste Sohn, Friedrich 
Heinrich Johann, geb. 11. März 1780, blieb am Leben. 
Auch seine treue Gattin verlor er bereits vor dem Jahre 
1809. Vom Jahre 1774—1779 war er Kriegsrat bei der 
Königsberger Kammer, trat dann aus dem Staatsdienst 
aus und widmete von nun ab seine ganze Kraft der Be- 
wirtschaftung seiner ausgedehnten Begüterung. 

Durch das Zusammentreffen einer Reihe von günsti- 
gen Umständen nahm am Ende des 18. Jahrhunderts die 
gesamte Landwirtschaft in der Provinz Preussen einen 
ganz ausserordentlichen Aufschwung. Die französischen 
Kriege gaben dem englischen Handelsverkehr mit dem 
Festlande eine vollkommen veränderte Gestalt. Grosse 
Ländergebiete sahen sich infolge der Kriegsereignisse von 
den gewohnten Handelsverbindungen ausgeschlossen, und 
andere, bisher weniger beachtete Gegenden, wie unsere 
Ostseeprovinzen, fanden durch die Getreide- und Vieh- 
lieferungen für Heere und Flotten neue Absatzwege. 
Ferner begünstigten die eben gegründeten landschaftlichen 
Kreditinstitute, die lange Friedenszeit und die durch neue 
Wirtschaftsmethoden erreichte Verbesserung des landwirt- 
schaftlichen Betriebes das Aufblühen der preussischen 
Landwirtschaft ganz ausserordentlich. Die Folge davon 
war, dass man vertrauensvoll die disponiblen Kapitalien 
in ländlichen Hypotheken anlegte. Andrerseits trugen die 
Käufer keine Bedenken, selbst mit geringen Mitteln und 
mit Übernahme von grossen Schuldenlasten vorteilhafte 
Gutskäufe abzuschliessen, weil sie mit Bestimmtheit auf 
die Fortdauer dieser günstigen Verhältnisse rechneten. 2 ) 

1) Akten der hiesigen General-Landschafts-Direktion. 

2) Vergl. Karl Käswurm, Über die Entstehung und den 



- 24- 

So erwarb auch Kriegsrat von Farenheid eine grössere 
Anzahl von Gütern, zunächst in unmittelbarer Nähe von 
Angerapp, später auch im Gerdauer und Wehlauer Kreise, 
einige Güter in Polen und in Westpreussen die 11 Quadrat- 
meilen grosse Herrschaft Flatow, deren Kaufpreis 308 9 1 3 Thlr. 
betrug. Zu ihr allein gehörte die Stadt Flatow, 15 Vor- 
werkshöfe, 19 Bauerndörfer, 6 Wassermühlen, 1 Papier- 
mühle, 2 Schneidemühlen; zusammen 747 Feuerstellen. 
Sein Besitz in Ostpreussen umfasste um 1806 beinahe 
5 Quadratmeilen und reichte von der Südseite des 
Darkehmer bis zur Mitte des Wehlauer Kreises. 1 ) Die 
"Verbindung der Güter war an einzelnen Stellen unterbrochen; 
schon aus diesem Grunde muss die noch heute vielfach 
verbreitete Ansicht, Kriegsrat von Farenheid hätte von 
Angerapp bis Königsberg reisen können, ohne die Grenzen 
seiner Besitzungen zu überschreiten, als irrig bezeichnet 
werden. 

Am 2. Oktober 1786 erhob der König ihn in Kück- 
sicht seiner bisher geleisteten treuen Dienste in den 
erblichen Adelstand. Als jedoch 12 Jahre später auf 
Vorschlag des Ministers von Schroetter ihm die Er- 
hebung in den Grafenstand angetragen wurde, lehnte er in 
seiner Bescheidenheit diese Standeserhöhung ab. Der 
Brief, den er über diese Angelegenheit an seinen Schwager 
den Kriegsrat von Gerhard auf Kuglacken schrieb, ist so 
charakteristisch für seine Denkungsart, dass ich ihn hier 
veröffentliche. 2 ) 

„Wahrlich, mein lieber Freund, die Gesinnung meines 
alten Gönners, des Ministers von Schroetter, rührt mich, 
und es ist natürlich, dass man in sich einen nicht ge- 
kannten Wert sieht, wenn man von solchen geprüften, 
grossen Menschen sich nicht vergessen sieht. Was aber 
die Äusserung seines Wohlwollens anbetrifft, so muss ich 
dir mit Herz und Mund bekennen, dass ich auch nicht 
den mindesten Sinn für diese Standeserhöhung habe. 
Helfen kann mir der Graf nicht, wohl aber würde er 
tausend Inkonvenienzen für mich und meinen Fritz mit 
sich führen. Da er dem männlichen Alter nahe ist, 3 ) so 

gegenwärtigen Bestand der landwirtschaftlichen Vereine in der 
Provinz in A. P. M. Sehr. II, S. 156. 

1) Vergl. das Güterverzeichnis auf S. 41. 

2) Von Farenheids eigenhändige Abschrift befindet sich 
im Besitz' des Herrn von Saucken-Tarputschen. 

3) Er war damals 19 Jahre alt. 



— 25 — 

habe ich es für billig gehalten, ihm die Sache mitzuteilen 
und es hat mir unendliche Freude gemacht, sein Urteil 
mit dem meinigen so ganz übereinstimmend zu finden. 
Er bat mich recht angelegentlich, doch ja den Grafen von 
ihm abzuwenden. Das Glück des menschlichen Lebens 
besteht nicht darin, dass ich der erste in der Gesellschaft 
bin, den ersten Platz bei Tisch, gemeinhin bei einer alten 
Matrone habe. Mein lieber Freund, je höher der Rang, 
desto kleiner der Zirkel, zu dem ich gehöre, und unter 
den Wenigen ist immer schwerer zu wählen, also auch 
weniger Freunde — und wahrlich, dieses ist der erste 
Genuss. Denke Dir einmal, wie viele Freunde würden 
sich von mir zurückziehen. Als blosser Edelmann ge- 
niesse ich alle Vorteile und Freiheiten des Grafen, 
entgehe aber manchem Zwange . . . Übrigens zeigt auch 
schon die Natur, dass die durch Kunst des Gärtners ge- 
triebenen Früchte den Geschmack nicht kraftvoll be- 
friedigen, noch weniger stärken, ich will also doch das 
jugendliche Holz des Edelmannes zur Reife kommen 
lassen, ehe eine sogenannte edlere Frucht auf dasselbe 
gepfropft wird. Halte dieses nicht für Spott, es ist nur 
die Sprache, die der Mund von 100 führen würde. Ich 
habe jetzt schon Neider, um wieviel würde die Zahl der- 
selben vermehrt werden. Also, mein lieber Gerhard, 
werde ich an Schroetter nicht schreiben, sage ihm aber, 
dass ich ganz auf seine Gewogenheit rechnete und darauf 
die Abwendung der Verlegenheit baute, eine soche Gnade, 
wenn sie einmal öffentlich erklärt wäre, dennoch ab- 
zulehnen." 

Eine der edelsten Thaten dieses seltenen Mannes 
auf socialem Gebiet ist die Aufhebung der Erbunter- 
thänigkeit auf seiner Gnieer Begüterung. Das erlösende 
Wort, das König Friedrich Wilhelm III. in der Ver- 
ordnung vom 28. Oktober 1807 aussprach: „Auf meinen 
sämtlichen Domänen soll schlechterdings keine Hörigkeit, 
Leibeigenschaft, Erbunterthänigkeit oder Gutspflicht vom 
1. Juni 1808 an stattfinden" hatte Kriegsrat von Fahren- 
heid bereits 9 Jahre vorher in die That umgesetzt. Am 
15. Oktober 1799 schrieb sein Sohn an ihn: „Dass Sie 
mit der Loslassung der Gnieer Bauern ans der Erb- 
unterthänigkeit den Anfang gemacht haben, war unter 
mehreren anderen Gründen auch wohl darum gut, weil 
sie von ihrer erlangten Freiheit auch wohl den besten 



— 26 — 

Gebrauch zu machen verstehen. Gern will ich es glauben, j 
lieber Vater, dass Sie wegen dieser guten Handlung von! 
vielen verdammt und missdeutet werden. Allein dieses | 
wird Sie nicht müde machen, gutes zu thun. Das Christen- 1 
tum stürzte die Sklaverei und machte die Menschen! 
besser. Die christliche Religion wird auch die Erb unter- ] 
thänigkeit heben, als einen Rest des römischen Heidentums." 1 
Am Anfang des 19. Jahrhunderts stand Kriegsrat ; 
von Farenheid auf dem Höhepunkt seines Glückes. Er 
war ohne Zweifel der reichste Mann der Provinz und der 1 
angesehenste Landwirt. Ausgezeichnet durch den Adel 
seiner Gesinnung, die Leutseligkeit seines Herzens, aber 
auch durch eine unbeugsame Willenskraft, mit der er zu-1 
weilen die ganze Wucht seiner Persönlichkeit einzusetzen 
wusste, hat dieser edle Mann lange Jahre zum Wohle | 
unserer Provinz segensreich gewirkt. Seine gewaltige 
Aufgabe, die Verwaltung des mächtigen Besitztums in ge- 
ordneten, streng vorgezeichneten Bahnen zu erhalten, hat 
er mit Ernst und fachmännischem Verständnis gelöst. Er 
darf als Bahnbrecher rationeller Landwirtschaft in Ost- 
preussen bezeichnet werden; sein Beispiel hat in erster 
Linie zur Beseitigung der veralteten Dreifelderwirtschaft 
und zur Verbesserung des Wirtschaftssystems beigetragen. 
„Ich habe schon — so schreibt er 1784 an von Schubart 1 ) — 
3 Landwirte in meiner Gegend, welche mit allem Ernst 
das Werk angreifen und mit der Futtervermehrung den 
Anfang machen wollen. Vielleicht zieht unser Beispiel 
mehr nach sich. Künftigen Sommer teile ich alle meine 
Güter in 6, wo es sein kann in 7 Felder ein. Die grösste 
Schwierigkeit, in unserm Lande die Brache abzuschaffen, 
ist, dass unsere Instleute die Erlaubnis haben, eine Kuh, 
ein Stück Jungvieh, drei bis vier Schafe, 2 Schweine und 
eine Zuchtgans zu halten, welche sie nach unserem bis- 
herigen Gebrauch auf der herrschaftlichen Brache Sommer 
über geweidet. Wenn nun die Brache eingeht, wo bleiben 
die ? . . . . Ich habe in diesem Herbst bei jedem meiner 
Vorwerke einen Luzernengarten bereiten lassen; Esparsette 
werde ich gar wenig anbringen können, aber Klee werde 



1) Schuhart von dem Kleefeld, Herzogl. Sächsischer Geheim- 
rat auf Würchwitz bei Zeitz, hatte als erster mit den alten 
Prinzipien gebrochen und den künstlichen Futterbau auf seiner 
Begüterung eingeführt. Kriegsrat von Farenheid hatte ihn 1783 
besucht. 



— 27 — 

ich fleissig in meinen Gerstenfeldern aussäen; ich mache 
mit dieser Post eine Bestellung bei Sperbach in Leipzig 
von 17 Ctr. Klee, 10 Ctr. Luzerne, 2 Ctr. Esparsette, das 
sind 29 Ctr. Futterkräuter und wird doch einen Anfang 
geben." Im nächsten Jahre schickte er zwei von seinen 
Vorarbeitern nach Würchwitz, damit dieselben sich aus 
eigener Anschauung über den Anbau und die Ernte der 
neuen Futtermittel unterrichten und die gewonnenen 
Kenntnisse auf seinen Gütern verwerten und verbreiten 
sollten. Das Verzeichnis der Punkte, über die sich 
die beiden Leute bei Schubart Aufklärung verschaffen 
sollen, beweist das tiefe, eingehende Verständnis, 
welches von Farenheid sich in der kurzen Zeit seiner 
Thätigkeit als Gutsbesitzer von dem landwirtschaftlichen 
Betriebe erworben hatte; seioe Beamten sollen dort nach 
seinem Wunsch Kenntnisse sammeln über die Behandlung 
der Gewächse, welche zur Yermehrung und Verbesserung 
der Fütterung dienen, das sind roter Klee, Luzerne, Es- 
parsette, Burgunder Rüben und die grosse Kartoffel, 
Helianthus tuberosus. Ferner sollen sie erlernen die 
Fütterung des Rindviehs, in Sonderheit der Schafe im 
Sommer mit grünem Futter, die Fütterung des Milchviehs 
im Winter mit Beihilfe von Burgunder Rüben und Kar- 
toffeln, den Bau der Öl- und Kohlsaat, den Anbau und 
die Behandlung des grossen Hanfs, den Gebrauch der neuen 
Ackerinstrumente, hauptsächlich des Kultivators, der Egge, 
der Walze und des Wiesenhobels. 

Auch zur Veredelung der ostpreussischen Pferde- 
und Rindviehzucht hat Kriegsrat von Farenheid die ersten 
Schritte gethan. 1788 beauftragte er den Stallmeister 
Kuhn in Dresden mit dem Ankauf von geeigneten Hengsten 
aus den ungarischen oder siebenbürgischen Gestüten. Aus 
der Korrespondenz mit diesem ergiebt sich, dass er auch 
schon vorher edle Pferde zu Zuchtzwecken für Angerapp 
und Gnie angekauft hatte. Er war es auch, der zuerst in 
Preussen die hohe Bedeutung des englischen Vollblut- 
pferdes für die Zucht warmblütiger Pferderassen erkannte 
und kein Opfer scheute, hervorragende Zuchttiere seinem 
in Angerapp begründeten Vollblutgestüte zuzuführen. 1 ) Im 
Jahre 1803 liess er durch seinen Sohn in England für 
40000 Thaler edle Pferde und Rindvieh ankaufen; damals 

1) VergL Settegast, Erlebtes und Erstrebtes, S. 71. S. ver- 
Iwechselt hier den Kriegsrat von Farenheid mit seinem Sohn. 



— 28 — 

kamen die Vollbluthengste Buzzard, Hocka-Pocka und 
Trumpator, sowie verschiedene edle Stuten nach Angerapp. 
1807 Hess von Parenheid das Gestüt nach Memel bringen. 

So beherrschte von Farenheid alle Zweige des land- 
wirtschaftlichen Betriebes mit gleicher Sachkenntnis und 
war darum wie kein anderer dazu berufen, seine warnende 
Stimme zu erheben, als im Jahre 1805 unsere Provinz 
unter dem Druck von Armeelieferungen schwer zu leiden 
hatte. Von Gnie aus richtete er im Dezember dieses 
Jahres an den Erbamtmann von Schlieben auf Schloss 
Gerdauen folgendes Promemoria: 

„Jetzt, da von neuem die Verpflegung der Armee 1 ) 
auf 8 Monate der Provinz angedeutet wird, ist es die 
höchste Zeit, den oberen Behörden zuerst, und wenn diese 
darauf keine Rücksicht nehmen sollten, des Königs Ma- 
jestät höchster Person den bedenklichen und wahrlich 
traurigen Zustand der Provinz vorzustellen. Das Land ist 
in einen grossen Mangel nicht nur für die Gegenwart 
versetzt, sondern hat fürs künftige Jahr noch traurigere 
Aussicht. 

1. Wegen des ungünstigen, kalten und nassen Sommers 
ist der Ertrag unserer Äcker, Wiesen und Gärten nur 
mittelmässig gewesen und dürfte sich gegen das vorige 
Jahr wie 2 zu 3 verhalten. 

2. Selbst das Gewonnene ist nicht von der Kraft und 
Güte, daher auch das Getreide nicht das volle Gewicht 
enthält und das Futter nicht gedeihlich ist. 

3. Die eingetretenen Kriegsunruhen haben hierzu 
noch mehr beigetragen. Beim Ausbruch derselben nach 
dem 23. September war man noch mit der Ernte des 
Sommergetreides und Grummets und der Bestellung der 
Wintersaat beschäftigt und wurde darinnen unterbrochen 
durch den Abgang so vieler Arbeiter und Pferde, indem 
die Beurlaubten, Knechte und Trainpferde ausgehoben 
wurden; hierauf folgte unmittelbar die Getreide- und 
Mehllieferung wegen fehlender Kriegsmagazine und die 
Fouragelieferung für Kavallerie und Train. Der Landmann 
musste sein übriges Getreide und Grummet im Felde 



1) Ein starkes Corps unter Generalleutnant von Rachel, 
der sein Hauptquartier in Drengfurt hatte, war in der Umgegend 
von Angerburg und Darkehmen zusammengezogen und sollte 
einem russischen Detachement den Durchmarsch durch Ost- 
preussen verwehren. 



— 29 — 

verderben lassen, unter Exekution für die Lieferung 
dreschen und bei den entsetzlichsten Wegen, da es nicht 
hielt, noch brach, unter Schnee und Regen mancher 10 bis 
12 Meilen die Lieferuüg in die Depots verfahren, dorten 
3 bis 6 und mehr Tage mit seinen Pferden unter blauem 
Himmel die Abnahme abwarten, seine Gesundheit und 
einen Teil seiner Pferde durch Kälte, Nässe und Hunger 
einbüssen. 

4. Dieses wäre vermieden, wenn die Lieferungen 
nicht in solchen grossen Quantitäten, sondern in geteilten 
Posten ausgeschrieben wären. Dann wäre die Herbei- 
schaffung nicht so drückend gewesen teils des Dreschens, 
teils des Transportes wegen, und die Lieferanten hätten 
geschwinder abgefertigt werden können. Auch hätten sich 
für geringere Quanten an Getreide, Mehl, Heu und Stroh 
eher Räume gefunden, anstatt dass jetzt bei der grossen 
Menge das auf dem Transport durch Regen, Schnee und 
Kot durchnässte Getreide, Heu, Stroh . . . verdorben ist. 
Diese Quantitäten hat das Land mit saurer Mühe und 
Entbehrung hergegeben, die Armee nicht genossen, also 
ist das Ganze verloren. Dieses ist ein unersetzlicher 
Schade fürs Land, welches bereits seinem Bedarf bei der 
ersten Lieferung so viel hat entziehen müssen, dass 
mancher seine Vieh- und Schafstämme sehr einschränken 
und dem übrig behaltenen sehr eingeschränkte Rationen 
hat bestimmen müssen und dennoch in Ungewissheit ist, 
ob er alles, falls das Frühjahr spät eintreten sollte, durch- 
bringen werde Die hohen Preise jeder Getreide- 
sorte, der Kartoffeln, des Heus, des Strohs, ohngeachtet 
des Verbots der Getreideausfuhr und des daher cessierenden 
Aufkaufs der Kaufleute an den Märkten, geben den 
sichersten Beweis des Mangels im Lande. 

5. Noch weit bedenklicher aber ist die Aussicht für 
das Jahr 1806 und 1807. Denn die nasse Herbstwitterung 
hielt die Bestellung der Wintersaat auf, die dazwischen 
eintretenden Lieferungen unterbrachen sie und brachten 
sie gar an manchen Orten zum Aufhören. Daher ist 
kaum die Hälfte zu rechter Zeit und gut, ein Teil schlecht 
und ein grosser Teil garnicht bestellt. Was für eine 
Ernte ist also im künftigen Sommer zu erwarten? Wo 
wird die Saat hergenommen werden, um die gewöhnlichen 
Sommerfelder, die schlecht betellten, vielleicht umzu- 
pflügenden Stücke, die garnicht besäten Stücke der Winter- 



— 30 — 

felder mit Sommergetreide zu besäen? Und was ist endlich . 
die Folge für das Jahr 1806 und 1807? Kann sie anders 
sein, als noch grössere Teuerung? Vielleicht Hungers- 
not?" .... 

Der wirtschaftliche Ruin unserer Provinz war indes' 
nicht mehr aufzuhalten, er wurde noch beschleunigt durch 
den Krieg von 1806 und 1807. Wie schwer Ostpreussen 
damals gelitten, und wie dies ohnehin schon arme Land 
infolge der Kriegsereignisse bis aufs Mark ausgesogen 
wurde, ist allgemein bekannt. Die folgende Zusammen- 
stellung der Leistungun von Angerapp an Fuhrwerken zum 
Fouragetransport vom Januar bis Ende April 1807 giebtein 
klares Bild von dem Umfang, in dem eine einzelne Be- 
güterung zu den Kriegslieferungen herangezogen wurde, 
und von der Härte, mit der man gegen Säumige verfuhr. 

Am 9. Januar wird von dem Kriegskontributionsamt 
Insterburg die Gestellung von 50 Fuhren zum Transport 
des Magazins von Darkehmen nach Drengfurt zum 
12. Januar verlangt. Amtmann Laddey 1 ) macht geltend, 
dass die Güter so viel Angespanne nicht besitzen, dass 
mehrere Wagen mit Fourage nach Nikolaiken gefahren 
und dass am 11. Januar ferner 6 Fuhren mit Fourage 
von Angerapp abgehen. Ungefähr 20 Schlitten könne er 
stellen. Diese Requisition wurde zwar zurückgenommen, 
indes schon am 13. Januar das gesamte Angespann der 
Güter zum Fouragetrausport nach Insterburg herangezogen, 
so dass einer Aufforderung, am 15. ca. 14 Fuhren zum 
Brottransport nach Barten zu stellen, nicht nachgekommen 
werden konnte. 

Am 17. Januar stellt Angerapp nach Tapiau 15 Fuhr- 
werke zum Mehl- und Hafertransport nach Ragnit. Wegen 
dieser Fuhrgestellung wird nicht die mindeste Widerrede, im 
Gegenteil die pünktlichste und genaueste Befolgung erwartet. 

Am 21. Januar gehen 24 Fuhren mit Fourage von 
Darkehmen nach Bartenstein. 

Am 25. Februar verlangt der Magistrat zu Anger- 
burg sogar 100 Fuhren, da der zur Fortschaffung des 
hiesigen Magazins kommandierte russische Offizier bereits 
eingetroffen sei. Der brave Amtmann Laddey erklärt, 
dass das Dominium die von dem Angerburger Magistrat 



1) Angerapp war seit 1791 für eine jährliche Pacht von 
3800 Thlr. verpachtet. 



— 31 — 

geradezu ohne allen Massstab verlangten 100 Fuhren nicht 
stellen könne; 7 Schlitten seien unterwegs nach Rössel 
und Guttstadt; doch wäre er bereit, 14 Schlitten zu stellen, 
sobald ihm eine Königl. Kammerverfügung mitgeteilt 
würde, nach welcher die Magistrate befugt seien, über 
das Angespann der adligen Güter zu disponieren. 

Am 18. Februar gehen 10 Fuhren von Darkehmen 
nach Gumbinnen, 

am 20. Februar 10 Fuhren von Darkehmen nach 
Nordenburg. 

Am 8. März stellt das Gut 15 Fuhren zum Fourage- 
transport von Norkitten nach Königsberg. Von dem 
Kontributionsamt wird darauf aufmerksam gemacht, dass 
eine Verproviantierung auf 8 Tage notwendig erscheine, 
und dass keine Einwendungen irgend welcher Art ge- 
machtwerden können, „sonst die Renitenten gleich durch mili- 
tärische Hilfe und körperliche Züchtigung zur Befolgung 
dieses Befehls von Hause werden ausgetrieben werden. " 

Zum 15. März werden 14 Schlitten nach Insterburg ver- 
langt zum Transport des für russische Rechnung dort ange- 
kauften Hafers nach Schippenbeil. Jetzt sollen auch nicht die 
allergeringsten Einwendungen gemacht werden, im Gegenteil, 
die ausbleibende Güter haben zu erwarten, dass ein russisches 
Exekutionskommando sogleich daselbst eintreffen und die 
Rückständigen mit Gewalt zu ihrer Schuldigkeit anhalten wird. 

Am 30. März stellt Angerapp zum Transport der 
aus Russland angekommenen Naturalien von Muldzen 1 ) nach 
Schippenbeil 14 vierspännige Wagen. 

Am 7. April gehen 7 vierspännige Wagen mit Futter 
auf 4 Tage versehen, von Muldzen nach Bartenstein. 

Zum 23. April werden 3 und zum 24. April 7 vier- 
spännige Fuhren zum Fouragetransport von Muldzen nach 
Bartenstein verlangt unter ganz besonders eindringlicher 
Androhung von schweren Strafen bei Nichteintreffen des 
Angespanns. „Ein russisches Dragonerkommando wird die 
Säumigen mit Strenge sogleich von Hause austreiben." 

. Auch Beynuhnen hatte schwer unter den Fuhr- 
gestellungen und den Fouragieruugen, namentlich der 
russischen Armee zu leiden. Im Mai 1807 wird der trost- 
lose Zustand der Güter in einer Eingabe des Pächters 



1) Muldzen 44 km Luftlinie von Angerapp in der Nord- 
spitze des Gerdauer Kreises. 



— 32 — 

Hinz an die Kriegs- und Domänenkammer zu Gumbinnen 
geschildert: „Schon 23 Pouragierkommandos der russischen 
Truppen haben in den hiesigen Gütern fouragiert und 
nicht allein alles Saatgetreide an Hafer und Gerste, 
sondern auch alles Heu und sogar den grössten Teil 
Koggen mit Gewalt genommen, weshalb nicht nur die 
Sommerfelder unbesät bleiben müssen, sondern auch 
Hungersnot in dieser Gegend entstehen muss. Durch die 
vielen Durchmärsche und Einquartierungen sind die In- 
sassen dergestalt ausgezehrt worden, das solche schon 
jetzt weder Brot noch Kartoffeln haben und ganze Familien 
schon aus dem Hofe gefüttert werden müssen, welches 
nunmehr aber auch bald aufhören wird, da die Fouragierer 
uns so wenig gelassen haben, dass der ganze Vorrat 
höchstens noch auf 14 Tage reicht." 

Es liegt auf der Hand, dass die Pächter von Gütern, 
die derartig ausgesogen waren, die Pachtsumme nicht 
entrichten konnten. Der Ausfall dieser nicht unerheblichen 
Einkünfte war für Kriegsrat von Farenheid ein harter 
Schlag; gänzlich erschüttert wurden seine pekuniären Ver- 
hältnisse durch das Fallissement vieler Häuser, welche 
die bedeutendsten Summen von ihm entlehnt hatten. Er 
war um die Mitte des Jahres 1809 völlig ruiniert und 
musste den flüchtigen Fuss nach Polen setzen, wo er sich 
in Orlowo bei Inowrazlaw, einem seiner Schwägerin, der 
Kriegsrätin von Gerlach gehörigen Gute, bis zur Ordnung 
seiner Verhältnisse (1816) aufhielt. Gerade in dieser 
schwersten Zeit seines Lebens treten die schönsten Seiten 
seines Charakters, sein Gottvertrauen, sein Edelmut, seine 
Besonnenheit und vor allem sein ungebrochener Mut am 
herrlichsten hervor. Die Energie, mit der er für die 
Rettung seines Vermögens kämpfte, ist wahrhaft be- 
wundernswert. Zunächst suchte er Hilfe beim Könige. 

Bromberg, den 28. Oktober 1809. 

,,Der Zustand meiner Schuldner, welche mir nicht 
Capitalien, ja grösstenteils auch nicht einmal Zinsen 
zahlen, behindert mich, auch meinen Gläubigern ihre 
Forderungen zu berichtigen und nötigt mich bei Ew. 
Königlichen Majestät um ein mehrjähriges Moratorium 
nachzusuchen. Unter meinen ausstehenden Forderungen 
befinden sich auch 241,600 Thlr., welche auf Hypotheken 
im Herzogtum Warschau ausgethan sind und standen zur 



— 33 — 

damaligen Zeit sicher. Seit Johann 1806 haben sie wegen 
der im November 1806 daselbst entstandenen Unruhen 
keine Interessen getragen, und durch das in Warschau 
ergangene Edikt vom 25. Januar d. J. ist allen Unter- 
thanen des Herzogtums Warschau bei Strafe doppelten 
Ersatzes untersagt, weder Interessen noch Capitalien an 
Ew. Kgl. Majestät Unterthanen zu bezahlen, ehe und 
bevor die Deposital Angelegenheiten zwischen Ew. Kgl. 
Majestät und dem Herzoglich Warschauischen Staate 
reguliert sein werden. 

Da nun Ew. Kgl. Majestät Bank noch ein grösseres 
Capital von mir zu fordern hat, und ich nicht im stände 
bin, bei dieser plötzlichen Veränderung der Verhältnisse 
die Interessen zu bezahlen, so muss ich Ew. Kgl. 
Majestät unterthänigst bitten: 

1. den Behörden des Deposital-Regulierungsgeschäfts 
allergnädigst aufgeben zu lassen, dass sie meine auf den 
im Herzogtum Warschau liegenden Hypotheken einge- 
tragenen Schulddokumente mit Einschluss der davon 
restierenden Zinsen den Behörden des Herzogtums 
Warschau in Zahlung anweisen und geben, 

2. den vorgesetzten Behörden der Bank, dass sie 
der Bank auftragen, diese 241600Thlr. an meiner Schuld 
jetzt abzuschreiben und mich von der Zinsenzahlung zu 
entbinden; sobald das Deposital-Regulierungs-Geschäft 
wirklich realisiert wird, die den Behörden mit in Zahlung 
I anzuweisenden Zinsen zu 6% seit Johann 1806 nach Ab- 
zug der der Bank gebührenden Zinsen zu 5 °/o mir auf 
meine Capitalschuld abzuschreiben, 

3. Allerhöchstdero Landgericht endlich dahin anwei- 
sen zu lassen, meinen Angelegenheiten eine solche Leitung 
zu geben, dass meine Creditores, Debitores und ich selbst 
konservieret werden, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, 
wenn ich vielleicht in der Formalität meiner Proceduren 

[gefehlt haben sollte, indem ich hier keine Rechtsgelehrten 
habe zu Rate ziehen können. 

Ist es möglich, dass meine Bitte gewährt werden 
könne, so traue ich Ew. Kgl. Majestät Gnade die huld- 
reiche Erfüllung derselben zu, sowie mich auch die zu- 
trauensvolle Hoffnung belebt, dass Ew. Kgl. Majestät 
gnädigst darin einzuwilligen die Gnade haben werden, 
dass, solange bis alle diejenigen, welche von mir etwas 
billig zu fordern haben, befriedigt sind und ich jedem mit 



Gegenden in ohnbemerkter Stille aufhalten dürfe." 

Aus jenen Tagen datiert auch der merkwürdige 
Brief, in dem er seinen Sohn 1 ) über seine Vermögenslage 
aufklärt. 

Orlowo, den 19. Nov. 1809. 

Mein lieber Fritz! 

Wenn du diesen Brief erhältst, so wird dich Onkel 
S. von meiner Vermögenslage schon unterrichtet haben. 
Durch den Krieg habe ich die Hauptrevenüen meines Ver- 
mögens eingebüsst. Dieser Ausfall hat mich genötigt, bei 
dem Oberlandesgericht ein mehrjähriges Moratorium nach- 
zusuchen. Manches Capital wird verloren gehen, und es 
fragt sich, ob und wieviel mir noch bleibt. Um dich thut 
es mir leid, doch habe ich, so viel es in meinen Kräften 
war, für dich gesorgt. 

Ich brauche sehr wenig und geniesse hier mehr als 
ich bedarf. Du. mein lieber Fritz, hängst auch nicht am 
Reichtum, der oft mehr Beschwerde als Vergnügen mit 
sich führt und keinen reellen Genuss gewährt als andere 
zu unterstützen und fortzuhelfen. — Falls der König und 
das Oberlandesgericht meinen Bitten und Vorschlägen 
Gehör geben, bleiben alle meine Beamte auf ihren Posten 
und in ihrem Brot. Die Pächter können nicht aus ihren 
Pachten ohne die ihnen im Contrakte zugesicherte Ab- 
findung gesetzt werden. Für die T. und J. ist gesorgt, 
dass sie ihre gewohnten Leibrenten erhalten. Die Do- 
mestiken werden von Esebeck so lange unterhalten, als es 
nötig ist. Hierauf habe ich bei der Regulierung des Pacht- 
quantums Rücksicht genommen. Den Koch und meine 
liebe ehrliche K. und ihre kleine gebrechliche Lotte, so- 
wie die ganze Familie v. R. überlasse und empfehle ich 
deiner Fürsorge. 

Ein neuer Beweis von der Eitelkeit aller mensch- 
lichen Pläne und Grösse! Ich gehe mit meinem Vater- 
lande in einerlei Verhältnis. — Verlöre niemand etwas 



1) Friedrich Heinrich Johann von Farenheid-Angerapp, 
geb. den 11. März 1780 in Königsberg, gest. den 28. Februar 1849 
in Steinort. Er hatte bereits am Anfang des Jahres 1808 die 
Angerapper Begüterung für einen Erwerbspreis von 75000 Thlr. 
,,in Rechnung des zu erwartenden paterni" übernommen. 



— 35 — 

durch mich an seinem Vermögen oder von seinen Hoff- 
nungen, oder auch niemand eine gewohnte Unterstützung, 
so würde ich mein Verhängnis wenig fühlen. 

Hier bleibt uns vieles rätselhaft, worüber wir dorten 
einen Aufschluss erbalten werden. — Ich bitte nur um 
Geduld und bin gewiss: der gute Gott werde nicht mehr 
auferlegen, als unsere Schultern zu tragen fähig sind. 

In jeder Lage dein liebender Vater 

Farenheid. 

Schon am 7. November Hess ihm der König durch das 
Finanzministerium mitteilen, dass ein General-Moratorium 
nach Vorschrift der Gerichtsordnung auf länger als drei 
Jahre oder auf unbestimmte Zeit nur dann bewilligt wer- 
den könnte, wenn keiner der Gläubiger einem solchen 
Antrage widersprechen sollte, von Farenheid machte in 
einer Eingabe an diese Behörde geltend, dass, falls einer 
oder mehrere seiner Wechselgläubiger die Besserung der 
Zeiten und die Vermehrung des cirkulierenden baren 
Geldes nicht abwarten, sondern dem verlängerten Mora- 
torium widersprechen sollte, sowohl diese wie die übri- 
gen Gläubiger verlieren müssten. „Auf mich selbst will 
ich keine Rücksicht nehmen," fährt er fort, „denn ich 
finde das Entbehren, Abhängig sein und sein Brot Ver- 
dienen nicht schwer. Ich glaube aber, dass die Ereig- 
nisse der letzten drei Jahre, der Ruin des Landes durch 
Krieg, Viehseuche etc., die ausserordentliche Entleerung 
desselben von barem Gelde, der gänzlich, teils von selbst 
stockende, teils von aussen gesperrte Handel, das aus 
diesen Ursachen gänzliche Stocken aller Nahrungszweige 
seinen nachteiligen Einfluss so allgemein und ausserordent- 
lich verbreitet, dass die höheren vorgesetzten Behörden 
durch diese allgemeine Krankheit des Staates sich be- 
wogen finden dürften, auch ausserordentliche Mittel zu 
dessen Erhaltung und Heilung anzuwenden. Dass Seine 
Königl. Majestät Allerhöchstselbst oder Allerhöchstdero 
Finanzministerium die 241600 Thlr. nicht auf die Forde- 
rung der Bank annehmen zu können sich erklären, muss 
ich mit Stillschweigen hinnehmen und die Folgen über 
mich ergehen lassen; dass aber dadurch das ganze Ver- 
hältnis meiner Gläubiger und Schuldner eine iür uns 
wichtige, aber sehr verschlimmerte Gestalt annehme, 



— 36 — 

dass ich unschuldig an diesem grossen Verluste sei, . . 
ist eine Sache, die keiner Erörterung bedarf." (Inowrazlaw 
d. 2. Dezember 1809). 

Noch einmal wandte sich von Farenheid unter ge- 
nauer Darlegung seiner Verhältnisse an den König. „Ew. 
Königl. Majestät Gesetze haben die Tendenz, die Ordnung, 
Gerechtigkeit, Sicherheit und Glück Allerhöchstdero Unter- 
thanen im gewöhnlichen Gange der Dinge zu schützen und 
zu befördern. Der Krieg und dessen Folgen, das ist: 
gänzliche Stockung aller NahruDgszweige, ein gänzliche 
Entleerung des Staates von aller baren Münze sind da- 
gegen solche ausserordentliche Ereignisse, dass es wohl 
einer Rücksicht bedarf, ob im gewohnten Gange der 
Dinge das Ganze oder dessen einzelne Teile erhalten 
werden dürften. Diese Überzeugung treibt mich Ew. 
Königl. Majestät nochmals allerunterthänigst um eine An- 
weisung an Allerhöchstdero Oberlandesgericht zu bitten: 
alle diese veränderten Umstände in Aufmerksamkeit zu 
nehmen und die Sache so zu leiten, dass der Verlust 
eines jeden meiner Kreditors abgewendet, meine Debitores 
nicht umgeworfen werden und mir selbst, falls es sein 
kann, etwas übrig bleibt. Das letztere ist wahrlich der 
letzte Zweck meines allerunterthänigsten Gesuches, denn 
ich berufe mich auf das Zeugnis des ganzen Publikums, 
dass ich niemals von meinem Vermögen einen Anwand 
gemacht habe, der auf Verschwendung und üppigen Ge- 
nuas seine Richtung genommen. Aber bis ins Grab würde 
es mich kränken, wenn irgend jemand etwas an mir oder 
durch mich verlöre, was er nach Gerechtigkeit zu for- 
dern und von mir nach Billigkeit zu erwarten hat. Die 
allerhuldreichst mir erteilte Erlaubnis mich bis zur Been- 
digung meiner Angelegenheit ausserhalb Landes auf- 
halten zu dürfen, erkenne ich mit dem ehrerbietigsten 
Danke an." 

Welchen Erfolg von Farenheid mit dieser noch- 
maligen Eingabe erzielte, geht aus dem noch vorhandenen 
Aktenmaterial nicht hervor; so viel zeigt aber der ganze 
Verlauf der Regulierung seiner Vermögensverhältnisse, 
dass ihm weder von Seiten irgend einer Behörde, noch 
durch einen ungeduldigen Gläubiger Schwierigkeiten in 
den Weg gelegt wurden. 

Gegen Ende des Jahres 1809 wurde er durch das 
Oberlandesgericht angewiesen, sich einen Generalbevoll- 



— 37 — 

mächtigten zu ernennen. In seiner Anzeige, dass er dem 
Kriminalrat Krieger die Vollmacht zur Regulierung seiner 
Angelegenheiten erteilt habe, bricht der verhaltene Unmut 
über sein unverschuldetes Los wieder hervor. „Wenn aber 
»der Staat mir nicht die gebührenden, verheissenen Ver- 
gütungen der verschiedenen Lieferungen an preussische 
und russische Truppen zukommen lässt und die Verhält- 
nisse hebt, welche den Arrestschlag auf meine im Herzog- 
tum Warschau ausstehenden Forderungen nach sich ge- 
zogen hat, so muss ich der Allgewalt erliegen." 

In dem Promemoria über das Verhältnis seiner 
Schulden und Forderungen und in der Instruktion für 
seinen Bevollmächtigten weist er diesen ausdrücklich da- 
rauf hin, dass der Zweck seines Auftrages sei, gegen die 
Schuldner, an deren guten Willen man nicht zweifeln 
könne, die äusserste Milde walten zu lassen, Unterhand- 
lungen mit ihnen anzuknüpfen, aber kein gerichtliches 
Verfahren einzuleiten. Alle3 was eingeht, soll seinen 
Gläubigern gehören. „Ich brauche für mich sehr wenig 
und habe nie am Gelde gehangen. Es wird auch niemand 
auftreten, der mich einer Verschwendung beschuldigen 
wird; ich habe mir viel versagt und versage mir jetzt 
noch mehr; ich lasse mir nicht einen Groschen aus 
Königsberg kommen, sondern wende alle dort nur beizu- 
treibenden Interessen und Pachten an, um jedem richtig 
Interessen zu zahlen." (Orlowo, den 28. August 1810). 
Als Belohnung für seine Mühe stellt er Justiz-Kommissarius 
JMeger 2000 Thlr. Jahresgehalt in Aussicht und verspricht 
ihm eine Entschädigung von 10000 Thlr., wenn ihm die 
Ordnung seiner Verhältnisse gelingen sollte. 

Nur zwei Jahre vertrat Justizrat Krieger die In- 
teressen von Farenheids. Bereits am Anfang 1812 über- 
nahm Regierungsrat Kobligk aus Gumbinnen diese 
schwierige Aufgabe. Ursprünglich hatte von Farenheid 
die Absicht, seinem Sohn Fritz die Generalvollmacht zu 
übertragen, nahm aber davon Abstand aus Gründen, die 
sich aus nachfolgenden Briefen ergeben. 

Angerapp, den 29. Febr. 1809. 

Mein herzlich und innig geliebter Vater! 

Durch Ihren Brief vom 16. Februar haben Sie mich sehr 
glücklich gemacht. Die vielen Äusserungen Ihrer Zuneigung 



— 38 — 

beweisen nicht allein, dass Sie mich lieben, sondern (täusche, 
ich mich nicht) es scheinet, dass Ihre Liebe gegen mich! 
beständig in der Zunahme ist. "Wir sehen ja so gerne! 
unsere Wünsche in der Erfüllung, und was kann meinem! 
Herzen wohl lieber sein, als in dem Ihrigen eine sicheret 
Wohnung für mich zu wissen. 0, mein bester Yater, nie! 
sind die Bedürfnisse unseres Gefühls dringender, als wenn] 
wir uns in das tote Geschäftsleben verwickelt sehen und auf ] 
das fatale Leere desselben unseren Blick werfend nichts! 
als unnützes Streben des Egoismus oder närrische Ge-| 
winnsucht, nichts als List, nichts als Behutsamkeit undj 
übel angewandte Klugheit erblicken. Wenn ich Ihre j 
herzlichen Bitten zu Gott lese, diese wirklich glücklich! 
machenden Wünsche des Vaters für das Wohl seiner! 
Kinder, dann stellt sich mir das gehässige Getreibe dieses! 
Lebens in seiner grellsten Gestalt vor Augen. Glauben! 
Sie mir, mein bester Vater, dass sich während dieses! 
Schreibens tausend Ideen durchkreuzen, die alle einen! 
widrigen Eindruck auf mich machen. Geschäfte, die das! 
Mein und Dein betreffen, haben mich von je her ange | 
ekelt . . . Nur der Gedanke, es muss entschieden werden, . . .1 
nur d,er sehnliche Wunsch, meinen guten Vater von den! 
Fesseln entledigt zu sehen, die ihn so weit zurückhalten,! 
ihm die Ruhe seiner späteren Tage zu gewähren, erlaubt 
mir nicht den Bogen abspannen zu lassen, obgleich sich 
bei der Nähe der Entwicklung dieses Planes immer mehrt 
Schwierigkeiten zeigen. Sie wollen, mein Teurer, mir diel 
Generalvollmacht übergeben, und ich soll Kobligk subfl 
stituieren. Das war Kobligks Plan, den ich aber ver-*| 
werfen musste. Ich stehe natürlich in zu genauer Ver-I 
bindung mit Ihnen; dies würde mir Argwohn zuziehen m 
aber vorzüglich würde die Hauptwirkung verloren gehenÄ 
indem ein Dritter schlechterdings alle Pfeile auf sich ziehen 
und wieder von sich schiessen muss. Und endlich binJI 
ich garnicht der Mann, der monieren und negotiierenj 
kann ... Da Kobligk der Mann ist, so lassen Sie ihn dieJ 
Heeresfahne führen. Überzeugt, dass keine Zeit zu ver-4 
lieren war, indem meine Verbindung mit ihm eclat wurde, 
bat ich ihn, zum Geh. Staatsrat Schoen zu gehen, um von 
diesem Urlaub zu erbitten. Schoen mit seinem gewöhn- 
lichen Überblick und seiner feurigen Teilnahme ergriff 
die Sache mit Wärme, versprach die wirksamsten Schreiben 
an den Staatskanzler, um gleich für Kobligk Urlaub aus- 



— 39 — 

zuwirken, schilderte den charakterlosen Staegemann, 1 ) der 
von dieser Sache bis zur Entscheidung nichts wissen 
müsse, fügte hinzu, dass dem Staat an Ihrer Vermögens- 
lage viel gelegen sei, und sagte, er wolle es zur Staats- 
sache machen. Dadurch ist viel gewonnen; dadurch ist 
die Sache aber auch zur Explosion gebracht. — Nach 
meiner Meinung bleibt nun nichts übrig, als dass Sie 
Kobligk nur die Vollmacht schicken . . . Soweit, bester 
Vater. Gott gebe, dass wir uns in einem Monat weiter 
nicht über die leidigen Geldgeschichten unterhalten . . . 
Habe ich nur Popiollen für Sie ins besondere, so bin ich 
zufrieden. Eine starke Gesundheit wünsche ich Ihnen, 
da Sie den Frieden des Herzens schon naben, und ver- 
harre lebend und tot Ihr Sie innig liebender und hoch- 
schätzender 

Sohn Farenheid. 



Angerapp, den 1. März 1812. 

Mein bester Vater! 

Ungleich schneller, als ich's vermuten konnte, segelt 
das Schiff, obgleich ich dem rastlosen Schoen, wenn er 
Bich für eine Sache interessiert, keine Ruhe zutraute. 
Da Schoen die Sache ergriff, so schrieb ich vor drei Tagen 
an Kobligk, dass er wegen der Publicität, die dieser 
Mann dem Geschäft gäbe, sich dessen nur unterziehen 
solle, worauf er erwiderte, schlechterdings erst Ihre Voll- 
macht abwarten zu müssen. Gestern lässt Geh. Staatsrat 
Schoen Kobligk zu sich rufen und sagt: Sie müssen so- 
gleich mit der Bitte um Dispensation vom Officio ein- 
kommen, um das bewusste Geschäft zu übernehmen, denn 
jetzt stehe ich auf dem Fusse mit Hardenberg, dass er 
mir nichts abschlagen wird, und der günstige Augenblick 
kann bald vorüber sein .... Nun hat Schoen den An- 
trag schon abgeschickt und, wie er sagt, darauf ange- 
tragen, dass Ihr Bevollmächtigter von dem König 
unmittelbar autorisiert werde, das Geschäft zu führen. 
Schoen sagt, dies müsse sein, denn dadurch würden Sie 
und der Bevollmächtigte nicht allein der Staatskontrolle 



1) Geheimer Staatsrat Staegemann war damals Chef der 
Bank in Berlin. 



— 40 — 

überhoben, sondern Ihre Person wäre dadurch gegen alle, 
Angriffe gesichert. Das wäre der grösste Gewinn . . I 

Ihr Sie innig liebender Sohn 

Farenheid. 

In dem Juni 1812 vereinbarten Kontrakt sicherte 
Kriegsrat von Farenheid dem Regierungsrat Kobligk ein 
Jahresgehalt von 2000 Thlr. und die Erstattuüg sämtlicher 
baren Auslagen zu. Ferner sollte Kobligk berechtigt sein, 
sich aus der ganzen Masse ein Kapital von 25000 Thlr. 
zu sichern, und diese für sich als Belohnung seiner Arbeit 
und Entschädigung für die Entsagung auf den Posten im 
Königlichen Dienst zu nehmen. „Meine Herren Gläubiger 
werden um so weniger diese Festsetzung der Remuneration 
missbilligen, als Herr Regierungsrat Kobligk ihnen unfehl- 
bar nachweislich machen wird, dass während seiner 
Administration und durch seine Bemühungen die Masse nicht 
verschlechtert, sondern zu ihrem Vorteil verbessert ist." 

Regierungsrat Kobligk widmete sich seiner Aufgabe 
mit einem wahren Feuereifer. Noch in demselben Jahre 
hatte er ein genaues, spezialisiertes Verzeichnis der Ver- 
mögensverhältnisse von Farenheids aufgestellt und er- 
möglichte so einen klaren Überblick über die ganze Ver- 
mögenslage. 

1. Das Verzeichnis der ausstehenden persönlichen 

Forderungen giebt an 1 ) 

a) gute und sichere Forderungen 108000 Thlr. 

b) zweifelhafte Forderungen. . 65000 „ 

c) nicht einziehungsfähige Forde- 

rungen 135000 „ 

2. Die Forderungen auf hypothekarische 

Dokumente bestanden in 

a) guten und sicheren .... 116000 „ 

b) zweifelhaften 143000 „ 

c) nicht einziehungsfähigen . . 16000 ,, 

3. Der Kapitalwert der fast 90 000 Morgen 

grossen Begüterung 2 )stellte sich auf ca. 1250000 ,, 3 ) 



1) Ich habe bei der folgenden Übersicht die Zahlen sämtlich 
nach unten abgerundet. 

2) Die Herrschaft Flatow nicht eingerechnet. 

3) Ein Verzeichnis der Passiva ist damals nicht angefertigt. 
1809 betrugen dieselben über 460000 Thlr. 






— 41 — 

Die Güter werden in dem Verzeichnis in 4 Gruppen 
reteilt. 

a) Beynuhnen 376000 Thlr. 

b) Gnie 243000 „ 

c) Eiser wagen 258000 „ 

d) Nagurren 57000 „ 

Dazu kommt der Kapital wert der Forsten. 319000 „ 

Ich gebe an dieser Stelle eine genaue Übersicht 
iber die damals dem Kriegsrat von Farenheid gehörigen 
Besitzungen und habe das Jahr des Kaufs und den Kauf- 
preis hinzugefügt. 

Die Beynuhner ßegüterung hatte Kriegsrat von 
farenheid 1798 von der Gräfin Anna Sophie Charlotte von 
Dönhoff gekauft. Sie bestand aus drei Stücken: 

1. Unter der Jurisdiktion des Kgl. ostpreussischen Hof- 
gerichts zu Insterburg standen die Vorwerke 
Kl. Beynuhnen, Milchbude, Wollehlen, Auerfluss, 
Sunkeln, Oschnagorren, Jurgutschen und das Dorf 
Thalau. Kaufpreis 100000 Thlr. 

2. Unter der Jurisdiktion des Kgl. Erbhauptamtes zu 
Gerdauen und Nordenburg standen die Vorwerke 
Mikalbude, Medunischken, Angerau und die Dörfer 
Medunischken, Gr. und Kl. Sobrost, Sauskoyen, 
Kowarren, Skirlack, Fritzendorf nebst Ziegelei 
und Gr. Beynuhnen. Kaufpreis 115000 Thlr. 

3. Die Dombrowker Güter, bestehend aus den Vorwerken 
Dombrowken nebst Ziegelei und Vorwerk Rosenau 
und die Dörfer Rossossen und Kermuschienen. 
Kaufpreis 78000 Thlr. 

Die Gnie er Güter umfassten die Vorwerke Gr. und 
Kl. Gnie und Neusorge, die Dörfer Christophsdorf, 
Lehnkendorf, Dwilinnen, Friedrichsfeld und den Birkenkrug. 
Sie waren bis zum Jahre 1777 im Besitz des Kapitäns Jacob 
Friedrich von Hoffmann gewesen und gingen nach dessen 
Tode auf Frau Kammerdirektor von Boerstell 1 ) über. Diese 
cedierte 1778 ihrem Schwestersohn Kriegsrat Farenheid 
die Besitzung für 42000 Thlr. 

Neu-Astrawischken, bestehend aus den Vorwerken 
Neu-Astrawischken , Reimerischken, Trenkensruh, den 
Bauerndörfern Bokellen und Petrellen und dem Grenz- 



1) Vergl. Anm. S. 21. 



— 42 — 

krug, kaufte Kriegrat von Farenheid 1801 von Friedri 
Heinrich Wilhelm von Saucken für 60000 Thlr. 

Die Graffmauenschen Güter bestanden aus dt 
Vorwerk Gr. Mauen und dem Bauerndorf Schneider: 
Kriegsrat von Farenheid kaufte sie 1804 von Fr; 
Friederike Amalie von Pfuhl, geb. Eeichsgräfin v< 
Schlieben für 35000 Thlr. 

Eiserwagen, bestehend aus den Vorwerken Gr. ui 
Kl. Eiserwagen, Damerau, Richau Kiehnenbruch, Maue ' 
Hansenhof, Trilinde, den Dörfern Wittenberg und Schö I 
rade und dem kölmischen Gut Eschenbruch, kaufte 
1792 von Hauptmann Ferdinand von Knobloch fi 
80000 Thlr. 

Koppe rshagen umfasste das Vorwerk Koppershage) 
das ßauerndorf Potawern und den Heidekrug und wurc 
1805 von den Erben der verstorbenen Frau Majorin Je 
hanna Gottlieba von Proeck, geb. von Egloffstein, fi 
56690 Thlr. gekauft. 

Zu Launicken gehörten die Vorwerke Launickei 
Neusorge, Friedrichsfelde, Jurgutschen, die Dörfer Lar 
nicken, Eszergallen, Grutteln, Kl. Urnen und der Kru 
Sobiechen. Die Begüterung wurde 1802 mit 75500 Thli 
bezahlt. 

Nagurren, bestehend aus den Vorwerken Nagurren 
Glashütte, dem Dorf Starnowen und den Steinorter Wiese 
wurde 1793 für 21500 Thlr. gekauft. 

Diesen ganzen Güterkomplex bot nun Regierungsra - 
Kobligk im Auftrage von Farenheids dem Prinzen Ferd: 
nand 1 ) für einen Preis von 1200000 Thlr. zum Kauf a 
und stellte dem Käufer bei der vorgeschlagenen Art de: 
Zahlungsbedingungen (200000 Thlr. in ostpreussische) 
Pfandbriefen, 700000 in Bankobligationen, 300000 bar 
nach dem damaligen Curs der Papiere noch einen gan: 
erheblichen Gewinn in Aussicht. Der Prinz beschied ihi 
abschlägig mit der Begründung, dass „bei den jetzigei I 
Zeitläufen der Ankauf von so bedeutenden Gütern aui 
keine Weise ratsam sei." 

Schon im nächsten Jahre (1813) trat Kobligk wiedei 
in den Staatsdienst zurück, so dass sich Kriegsrat von Faren 



1) Prinz August Ferdinand f 1813, jüngster Sohn Friedrichj 
Wilhelms L, Vater des bei Saalfeld gefallenen Prinzen Louis 
Ferdinand. 



— 43 — 

,d genötigt sah, wieder Justizkoinmissarius Krieger mit 
t Wahrung seiner Interessen zu betrauen; ihm sollte 
stfiskal Weger zur Seite stehen. Doch schon 1815 
Ertrug er die Vollmacht auf Justizkoinmissarius Kohl- 
jf, der nun bis zu seiner Rückkehr nach der Heimat 
*en Schluss des Jahres 1816 sein Vertreter blieb. 

Erst damals ermöglichte der Zustand seiner Schuld- 
rbindlichkeiten seinen dauernden Aufenthalt in Preussen. 
inen Wohnsitz nahm von Farenheid von jetzt ab in 
ynuhnen, wohin er schon vor der Flucht nach Polen im 
hre 1807 bei der bevorstehenden Übernahme der An- 
rapper Güter durch seinen Sohn übergesiedelt war. 

Der Verkauf seiner Besitzungen im Gerdauer und 
fvehlauer Kreise nahm während der nächsten 10 Jahre 
ine ganze Arbeitskraft in Anspruch. Es gelang ihm 
<Jich allmählich seine Güter bis auf Beynuhnen, Dom- 
fowken, Mauenwalde und Glashütte zu verkaufen. Frei- 
en scheint er bei der Festsetzung des Preises weniger 
einen eigenen Vorteil als den des Käufers gewahrt zu 
jüben; denn es ist eine bekannte Thatsache, dass der 
jäufer eines der grössten Güter den gezahlten Kaufpreis 
La dem Abtrieb der dazu gehörigen Waldungen nach 
jenigen Jahren wieder einbrachte. 1820 verkaufte er die 
Herrschaft Flatow an den König. 

So hatte der hartgeprüfte Mann aus den Trümmern 
Änes Vermögens einen immerhin noch bedeutenden Be- 
[tz gerettet, an dessen Verbesserung er bis in sein hohes 
irreisenalter mit nie ermattender Thatkraft arbeitete, 
r Seine letzten Tage waren dunkel, aber nicht trübe ; 
pin Augenlicht war erloschen, aber sein reger Geist 
fbeitete weiter und fast bis zur Todesstunde diktierte er 
albst seine Briefe und unterzeichnete sie eigenhändig. 

Er starb, 88 Jahre alt, am 7. September 1834 in 
Jeynuhnen und ist im Angerapper Mausoleum beigesetzt. 



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